Verzwickte Geschichten

- Drei niederbayerische Jugendliche, Wong, Hunter und Schleicher, machen sich mit gestohlenen Mopeds auf den Weg von Frontenhausen nach Tschechien, um ihre Jungfräulichkeit zu verlieren. Die drei Helden landen in einem turbulenten Abenteuer, als sie sich im tschechischen Freudenhaus nicht nur Freunde machen. Dass der fahrbare Untersatz von den Bordellbetreibern gepfändet wird und die Burschen sich nicht besser zu helfen wissen, als die hochschwangere Ungarin Alicia (Henriette Richter-Röhl) in die nicht ganz korrekte Rückbeschaffung der Mopeds einzuspannen, ruft die Katastrophe herbei.

Sie werden von den Kleinganoven erwischt und eingesperrt. Beim Fluchtversuch bleibt Alicia zurück, und die Jungen müssen sich bewähren. Das heißt: verschwinden oder Verantwortung übernehmen.

Diese Entscheidung ist zumindest für die unbedarften Kerle nicht so einfach, denn wie Filmregisseur Stefan Betz augenzwinkernd bemerkt: "Die drei sind nicht die strahlenden Helden, sie dürfen auch feig sein."

"Grenzverkehr" ist der erste Spielfilm von Betz, dessen Wunsch es war, sein Drehbuch auch als Regisseur zu verwirklichen. Wie seine Figuren stammt er aus Niederbayern. 1970 wurde er in Landshut geboren, wuchs auf einem Einödhof auf und hat beruflich erst den Weg zum Pädagogen eingeschlagen, während er nebenbei bereits Kurzfilme gedreht und bayerische Jugendfilmpreise eingeheimst hat. Den Werdegang Richtung Film baute er an der Drehbuch- und Dramenwerkstatt München aus, nahm an der Sommerakademie Bayerisches Volksschauspiel teil und ist verantwortlich für verschiedene Serienkonzepte sowie den Kurzfilm "Sommergeschäfte".

Betz ist direkt und nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er die Motivation seiner Protagonisten, nach Tschechien zu fahren, thematisiert. Hauptdarsteller und Umgebung werden mit selbstironischem Witz inszeniert, "denn die Burschen sind am Anfang ja auch so was von blöd". Die Geschichte erzählt mehr als das Erste-Mal-Abenteuer 16-Jähriger; Betz freut sich, wie das Zusammenspiel zwischen den jungen Laiendarstellern und den Profis neue Facetten hervorgerufen hat: "Wong, ursprünglich als eher härterer, verschlossener Charakter geplant, wird von Andreas Buntscheck empfindsamer gespielt, sodass zwischen ihm und Alicia eine gewisse Spannung entsteht. Es könnte sich etwas entwickeln. In seiner Szene mit Dana Vavrova (sie spielt eine Prostituierte) lagen ebenfalls Zwischentöne in der Luft. Das waren positive Überraschungen."

Lieblingsszene des Regisseurs: "Wenn die Burschen dann zu den Eltern heimkommen, ist das komisch und sehr anrührend. Ich bin verblüfft, wie gut die geworden ist. Da bin ich schon wahnsinnig stolz." Damit steht fest, die drei finden heil nach Hause, aber warum zieht es sie eigentlich nach Tschechien und nicht nach München? "In Tschechien gibt es 50 bis 100 Kilometer nach der Grenze eine Erlebnislandschaft mit großer Anziehungskraft - neben Prostitution auch Fertigbaukasinos. Es ist, als sei es ein Wunderland, von dem der Deutsche denkt, er bekommt mehr für sein Geld."

Mit seinem Idol, Billy Wilder, hat Betz sich Großes vorgenommen: "So wie er an Geschichten rangeht. Leute, die was wollen und sich dann ihr eigenes Grab schaufeln, und die Geschichte immer verzwickter wird, das ist spannend."

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