Vexierspiel der Stimmungen

- Ich will alleine leben, nimmt sich die Kellnerin Lucia vor. Gerade hat sie anscheinend ihre große Liebe, den Schriftsteller Lorenzo, verloren. Ein wirres Telefonat, eine gespenstisch leere Wohnung, ein Anruf von der Polizei, ein überstürzter Aufbruch. Aber Lucias Vorsatz scheitert bereits, als sie in der Madrider Bar, in der sie arbeitet, ihre Lieblingsspeise, eine Paella, bestellt; denn die wird nur ab zwei Personen serviert. Und so macht sich Lucia auf die Suche nach Lorenzo.

<P>Flieht sie oder sucht sie nach einer Rettung für ihre Liebe? Was ist überhaupt passiert? Welchem Geheimnis will sie auf die Spur kommen? Doch solche Fragen sind nur der Auftakt zu einem spannenden Psychothriller. Regisseur Julio Medem versteht es, Realität melodramatisch und fantastisch aufzuladen, den Zuschauer in ein Vexierspiel der Stimmungen hineinzuziehen. Auf den Balearen quartiert sich Lucia bei Carlos und Elena ein, die hier Ruhe vor ihrer Vergangenheit suchen. Ohne dass sie es voneinander wissen, hat Lorenzo bei jedem Einzelnen von ihnen seine Spuren hinterlassen:</P><P>Mit Elena zeugte Lorenzo bei Vollmond im Meer die Tochter Luna, verschwand dann aber ebenfalls von der Bildfläche. Luna wurde später dann vom Kampfhund ihrer Babysitterin Belen zerrissen, während diese sich im Wohnzimmer mit Lorenzo vergnügte. Carlos wiederum ist der Stiefvater eben jener Belen, die seitdem verschwunden ist. Ein Manuskript von Lorenzo bringt Lucia schließlich der eigentlich Wahrheit näher. . .</P><P>Julio Medem, der neben Pedro Almod|2ovar wohl innovativste spanische Gegenwarts-Regisseur, erzählt in seinem neuen Film wieder eine Geschichte über den schicksalhaften Zufall, voller Erotik und Leidenschaft. Eine spröde Poesie liegt über den Bildern, die von Kiki de la Ricas in Cinemascope aufgenommen wurden, aber zugleich die Leichtigkeit einer digitalen Handkamera vermitteln. Das ergibt einen suggestiven Sog, dem man sich als Zuschauer nicht entziehen kann.</P><P>Das Charisma der Hauptdarstellerin Paz Vega tut ein Übriges. Ein Spiel in Hitchcock-Manier zwischen Fiktion und Realität. Ein außerordentliches Sehvergnügen. (In München: Leopold, Isabella, Atlantis, Theatiner i. O.)</P><P>Rüdiger Suchsland</P><P>"Lucia und der Sex"<BR>mit Paz Vega<BR>Regie: Julio Medem<BR>Sehenswert</P>

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