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Darf ein echter Mensch sein: Virginie Efira als Victoria, die wild, chaotisch und manchmal überfordert ist.

Liebeskomödie ohne Kitsch

„Victoria – Männer und andere Missgeschicke“: Was für eine Frau

Der Film „Victoria – Männer und andere Missgeschicke“ fasziniert durch eine viel zu selten gezeigte Weiblichkeit.

Diese Frau ist unmöglich. Sie hat zwei süße Töchter – und nimmt diese kaum zur Kenntnis. Sie raucht. Sie trinkt. Sie dröhnt sich zu. Vermutlich kauft Victoria auch nicht im Bioladen ein und trägt keine schadstofffreie Unterwäsche. Stattdessen arbeitet sie zu viel in ihrem Beruf als Anwältin, und das eher mäßig erfolgreich. Eigentlich eine Männerrolle, doch hier darf endlich einmal eine Frau die Sau rauslassen.

So richtig präsent war die belgisch-französische Schauspielerin Virginie Efira bei uns zuletzt in der sonnigen und leicht sozialkritischen Romantikkomödie „Birnenkuchen mit Lavendel“. Darin spielte sie eine Witwe, die sich in einen jungen Mann mit Asperger-Syndrom verliebt. Efira trug Sommerkleidchen, guckte melancholisch und verströmte eine moderne mütterliche Wärme, gerne auch vor dem Backofen. Als „Victoria“ darf sie nun ein echter Mensch sein, ein Lebemensch. Überfordert, heruntergekommen, wild und chaotisch. Eine Frauenfigur, die es im Kino und in der Literatur nicht allzu oft gibt. Leider.

Mit einer Protagonistin arbeitete Regisseurin Justine Triet auch schon in ihrem ersten abendfüllenden Spielfilm „Age of Panic“. Das ist freilich nichts Ungewöhnliches. Doch während Beziehungskomödien mit weiblichen Hauptfiguren meist um die Frage kreisen, ob der Traummann nun endlich anbeißt, nimmt Victoria kaum Notiz von den Männern, die sie umgeben. Ihr Ex David (Laurent Poitrenaux) ist ohnehin ein Knallkopf und Verursacher zahlreicher witziger Szenen. Ihr Kumpel Vincent (Melvil Pooupaud) nervt sie unablässig mit seinem abstrusen Gerichtsprozess. Der junge Sam (Vincent Lacoste) hilft ihr, wo immer es nur geht, doch sie ist mit anderem beschäftigt. Nicht einmal gelegentliche Sex-Dates reißen Victoria aus ihrem psychischen Dämmerzustand.

Obwohl die Handlung mit Turbulenzen, schrägen Wendungen und vielen originellen Späßen aufwartet, evoziert „Victoria“ keinen Dauerlach-Zustand. Erst gegen Ende geht es Schlag auf Schlag. Doch bremst der verhaltene Charme des Films nicht die Faszination der Hauptfigur und ihres ganz und gar untypischen weiblichen Kosmos.

Fazit: Kurioses Typenkabinett

Melancholie mündet nicht in Kitsch. Trauer nicht in Depression. Stattdessen kombiniert Justine Triet, die auch das Drehbuch schrieb, Elemente der Chaoskomödie und ein kurioses Typenkabinett mit einem Versuch, die Überforderung des Individuums abzubilden und zu zeigen, wie es den Fallstricken des Wettbewerbs und Produktionsprozesses gar nicht entgehen kann. Und trotz seines großen Zynismus erzählt der Film auch eine feine, zarte, ulkige und fast schon utopische Liebesgeschichte.

„Victoria – Männer und andere Missgeschicke“

mit Virginie Efira, Vincent Lacoste Regie: Justine Triet Laufzeit: 97 Minuten

Hervorragend

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Lou Andreas-Salomé“mochten.

Katrin Hildebrand

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