Viren und Weltbank

- Im Hollywood-Kino würde es das nicht geben: Ein einziger Schnitt, und schon sitzt der Zuschauer verwundert in einem völlig anderen Film und die Hauptfigur, das junge Computergenie Alex (Vincent Bonillo) mit ihm. Denn während die ersten Szenen damit gefüllt sind, den blonden Hacker Alex, seine genervte Freundin Lucie (Delphine Lanza) und seinen Kumpel, Kollegen und Gesinnungsgenossen Fred einzuführen, schlägt die Handlung mit einem Mal um - vom sympathischen Alltagsdrama um zwei liebenswerte Spinner aus Genf und ihren Plan, die Weltbank auszuräubern, in einen knallharten, spannenden und schnell erzählten Politthriller.

Mit viel Raffinesse breitet der Schweizer Regisseur Romed Wyder in seinem schlau angelegten Krimi "Lücke im System" eine wahre Begebenheit aus. Deutlich an Vorbilder wie "Memento" oder "23" angelegt, dreht sich auch bei Wyder alles um Computerviren, nicht ganz astreine Machenschaften der internationalen Hochfinanz und Gedächtnisverlust. Seit zwei Jahren planen die Globalisierungsgegner Alex und Fred, einen Computervirus ins Intranet der Weltbank einzuschleusen und dadurch den nächsten Weltwirtschaftsgipfel platzen zu lassen. Doch ausgerechnet in der Nacht, in der sie ihre kühnen Pläne in die Tat umsetzen wollen, hat Alex einen Unfall. Zuerst sieht man ihn noch wie jede Nacht als Putzmann die Schreibtische im Zentrum der Macht wienern. Unauffällig soll er den Virus installieren - im nächsten Augenblick liegt er verkabelt auf der Intensivstation. ´

Wyder gelingt es, trotz vieler Sprünge und einem anspruchsvollen Plot, das Publikum bis zum beklemmenden Ende bei der Stange zu halten. Von den intelligent ausgetüftelten Kapriolen des Drehbuchs und den vielen rasanten Regieeinfällen lässt man sich gerne mitreißen.

(In München: Atelier, Maxim.)

"Lücke im System"

mit Vincent Bonillo, Delphine Lanza

Regie: Romed Wyder

Sehenswert

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