Virtuell balzen

- Früher musste man aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und an das Schicksal glauben, um die richtige Frau kennenzulernen. Aber immer weniger Singles glauben noch an die Kompetenz des Schicksals und suchen ihr Glück gezielt im Internet. Das ist der realistische Rahmen von James Foleys Thriller "Verführung einer Fremden".

Eine junge Frau gabelt im Netz einen Millionär auf und verbringt ein Wochenende mit ihm. Kurz darauf ist sie tot. Ihre beste Freundin (Halle Berry) will den Fall auf eigene Faust aufklären und begibt sich in die Welt des virtuellen Balzens. Sie macht den Millionär (Bruce Willis) ausfindig und verabredet sich mit ihm, um herauszufinden, ob er etwas mit dem Tod ihrer Freundin zu tun hat. Star-Kino nennt man so etwas wohl, wenn die Geschichte nur als Mittel dient, zwei charismatische Schauspieler möglichst oft gemeinsam zu zeigen. Oscar-Preisträgerin Halle Berry und Bruce Willis machen das Beste daraus und liefern sich ein leidlich spannendes Katz-und-Maus-Spiel.

Es geht um das Grundproblem zwischen Mann und Frau in einer Beziehung: Vertrauen. Halle Berry spielt die Frau, die lügt, Bruce Willis den Mann, der offenbar etwas zu verbergen hat. Beide legen dabei den leisen Fatalismus von Lebenserfahrung an den Tag. Echte Vertrautheit gibt es nicht, also spielt man seine Rolle, solange es eben geht. Dieser psychologische Ansatz versöhnt damit, dass der Film als Thriller wenig mehr als altbekannte Stereotype und mäßige Spannung bieten kann. Foley, der als Regisseur für einige hervorragende und einige belanglose Filme verantwortlich war, bewegt sich hier in einer Grauzone. Die Inszenierung des Belauerns zweier pathologisch misstrauischer Menschen ist bemerkenswert stimmig, alles andere eher Konfektionsware. Einer dieser Filme, die man ebenso gut sehen wie ignorieren kann. (Ab morgen in München: Mathäser, Royal, Cinema i.O., Gabriel, Maxx, Cadillac, Leopold, Museum i.O.)

"Verführung einer Fremden"

mit Halle Berry, Bruce Willis

Regie: James Foley

Annehmbar

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