"Viva la Liberta": Abrechnung mit Berlusconi

München - Mit "Viva la libertà" ist Regisseur Roberto Andò eine leichtfüßige Abrechnung mit Silvio Berlusconi gelungen.

Platon ging davon aus, dass die besten Staatslenker die Philosophen seien. Über 2000 Jahre später scheint Regisseur Roberto Andò genau diese Theorie vor Augen zu haben, wenn er auf originelle Weise Platons gedankliches Szenario auf der Kinoleinwand Wirklichkeit werden lässt. Allerdings wird sein Philosoph nicht ganz freiwillig zum König gekrönt: Giovanni ist der Zwillingsbruder des Chefs der wichtigsten italienischen Oppositionspartei, Enrico Oliveri. Weil Enrico eines Tages die Intrigen des Politalltags satt hat, setzt er sich nach Paris ab. Keiner weiß, wo er steckt. Um einen Skandal abzuwenden, muss Zwillingsbruder Giovanni für ihn einspringen, muss so tun, als sei er der politische Hoffnungsträger.

Schauspieler Toni Servillo spielt in „Viva la libertà“ die beiden Brüder. Und schon nach wenigen Minuten wird klar, warum Regisseur und Drehbuchautor Andò ihn und nur ihn für diese Rolle haben wollte. Mit Louis-de- Funès-artigem Mienenspiel verkörpert Servillo perfekt den etwas schrulligen, neurotischen, doch blitzgescheiten Philosophen, der das verkrustete politische System Italiens durcheinanderwirbelt. Anders als sein Bruder hat er seine Haare nicht gefärbt – und wenn er, darauf von einem Journalisten angesprochen, pfiffig antwortet: „Es ist eine Botschaft an die Italiener: Seid ehrlich, färbt euch nicht die Haare!“, dann ist das ein unmissverständlicher Seitenhieb an Silvio Berlusconi und dessen falsches Spiel.

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Der Film ist eine Abrechnung mit ihm und der italienischen Politik. Leichtfüßig und amüsant. Dass Enrico in Paris ausgerechnet bei einem Filmregisseur unterkommt, ist freilich kein Zufall. Politik und Kino, so die Botschaft, sind sich ähnlicher, als man denkt: Sie sind beide „permanente Erfindung der Wirklichkeit“.

von Katja Kraft

Rubriklistenbild: © Arsenal Film/dpa

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