Ein Volk der Verdammten

- Sie sind die Sympathieträger des ewigen Eises: Unbeholfen an Land, pfeilschnell im Wasser, leben Pinguine in Einklang mit einer denkbar fortpflanzungsfeindlichen Natur. Was die watschelnden Frackvögel auf sich nehmen, um den Nachwuchs zu sichern, schildert "Die Reise der Pinguine" in einmaligen Bildern voller Poesie.

Der Dokumentarfilm des Franzosen Luc Jacquet war ursprünglich als Fernsehproduktion geplant. Doch nach einem Jahr Dreharbeiten unter extremen Bedingungen in der Antarktis war klar: Die Stimmung und die Schönheit der Aufnahmen finden nur auf der großen Leinwand einen angemessenen Platz zur Entfaltung. Doch als würde er der Kraft seiner Hymne auf das Leben misstrauen, unterlegt Jacquet sein Werk noch mit kitschigen Stimmen von Mutter, Vater und Baby Pinguin. In den USA hat "Die Reise der Pinguine" schon über 70 Millionen Dollar eingespielt und zählt hinter Michael Moores "Fahrenheit 9/11" zu den erfolgreichsten Dokumentarfilmen aller Zeiten. Geschildert wird die "Reise" zu den Brutplätzen, die Paarung und die Aufzucht des Nachwuchses bei bis zu 40 Grad unter Null. Für den Regisseur und Kameramann Jacquet sind die Kaiserpinguine ein Volk der Verdammten, weil sie Jahr für Jahr ein Martyrium auf sich nehmen. Diese Tierart lebt hart an der Grenze zum Tod. In manchen Jahren überlebten 80 Prozent der Küken die Strapazen nicht. Jacquet sieht die Tiere nicht mit den Augen des Wissenschaftlers, der belehren will, sondern als Künstler und Dramatiker, der seine Faszination im Kino ausdrückt. So steht "Die Reise der Pinguine" als Glanzstück in einer Reihe von Naturdokumentationen wie "Mikrokosmos" oder "Nomaden der Lüfte". Der neue Stil hat sich von den pädagogischen Lehrstücken der Vergangenheit weit entfernt. Stattdessen setzen die aktuellen Naturfilmer ganz auf Visualität, Emotion und Dramatik. (In München: Mathäser, Maxx, Arri, Münchner Freiheit, City, Sendlinger Tor, Kino Solln, Cinema i.O.) Karin Zintz"Die Reise der Pinguine"Regie: Luc JacquetHervorragend

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