Vorbild Oscar:

- Berlin - Etwa 50 deutsche Filmschaffende haben sich in Berlin zur Gründung einer Deutschen Filmakademie getroffen. Einzelheiten zu der Gründungsversammlung sollen am Dienstag auf einer Pressekonferenz mitgeteilt werden, an der auch der Regisseur Helmut Dietl teilnehmen will. Die unter anderem von dem Münchner Filmproduzenten Bernd Eichinger initiierte Akademie soll nach Vorbild des amerikanischen Oscar die Preisträger für den von der Bundesregierung finanzierten Deutschen Filmpreis auswählen.

<P>Der Akademie sollen nach den bisher bekannt gewordenen Plänen etwa 2500 Mitglieder angehören, darunter alle 700 bisherigen Filmpreisträger. Die geplante Akademie war in den vergangenen Wochen auf heftige Kritik von etwa 400 Filmschaffenden gestoßen, die vor allem vor einer drohenden Privatisierung des Deutschen Filmpreises, der höchstdotierten Kulturauszeichnung in Deutschland, warnten.</P><P>Dagegen betonte Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos), der Deutsche Filmpreis bleibe ein Förder-Instrument des Staates. Die geplante Akademie solle auf eine breite Basis gestellt werden. Wegen des langen Vorlaufs für die Gründung soll der Preis mindestens 2004 noch in seiner bisherigen Form verliehen werden.</P><P>Die Grünen begrüßten die Gründung einer Deutschen Filmakademie, appellierten aber an die Initiatoren, den Bedenken zahlreicher Filmemacher entgegenzutreten, die Filmakademie werde zum Instrument einiger mächtiger Produzenten und Regisseure. "Die Deutsche Filmakademie muss vielmehr ein Forum für die gesamte Branche sein, und ihre Arbeit darf sich nicht allein auf die Vergabe des Deutschen Filmpreises beziehen", forderte die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, Claudia Roth, am Montag.</P><P>So solle sich die Akademie auch um die Nachwuchsförderung und regelmäßig erscheinende Publikationen kümmern. Ungelöst sei auch die Frage des filmischen Erbes der früheren staatlichen DDR-Filmgesellschaft Defa. Hier sollte geprüft werden, inwieweit auch Filmemacherinnen und Filmemacher der ehemaligen DDR - über die Preisträger seit 1990 hinaus - in die Strukturen der Deutschen Filmakademie eingebunden werden könnten.</P>

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