Was ist wahr ?

- George Clooney, einst gefeierter TV-Star mit seiner Hauptrolle in "Emergency Room", seit einigen Jahren auch auf der großen Leinwand ein Topstar. Der 41-Jährige wurde zunächst vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Steven Soderbergh bekannt. Bei ihm spielte er Hauptrollen in "Out of Sight", "Ocean's Eleven", zuletzt "Solaris". Gemeinsam gründeten beide vor drei Jahren eine Produktionsfirma, die sich vor allem um die unabhängige Filmszene der USA verdient macht.

Jetzt hat Clooney zum ersten Mal Regie geführt: "Geständnisse" ist ein auf wahren Ereignissen basierender Thriller um einen TV-Star, der als Killer für die CIA arbeitete.

Was reizt Sie an der Regie und am Produzentendasein? Sind Sie als Schauspieler nicht glücklich?

Clooney: Ich spiele gern, habe ja auch in "Geständnisse" eine Nebenrolle. Tatsächlich fühle ich mich aber manchmal etwas unausgelastet. Die Angebote sind oft einfach zu blöd'. Ich habe bestimmte Vorstellungen von Filmästhetik, Filme wie "Three Kings", eine Anti-Kriegssatire, die politische Widerstände hervorrief. Oder "Solaris". Der ist stilistisch radikal. Da müssen die Zuschauer etwas nachdenken. Leider ist es in Amerika unüblich geworden, Filme zu machen, in denen es viele Fragen und wenig Antworten gibt und die etwas Politisches oder Philosophisches erzählen möchten. Aber genau das macht Kino interessant: keine vorgekauten Antworten, sondern Bilder, die mehrere Interpretationsmöglichkeiten erschließen.

In "Geständnisse" gibt es mindestens zwei Möglichkeiten, die Story zu verstehen: Ist Ihre Hauptfigur Chuck Barris, der ja noch lebt, nun ein Killer gewesen oder nicht?

Clooney: Ich habe ihn nie gefragt. Das hätte den Film beeinflusst, außerdem hat er so viel Unterschiedliches über sein Leben erzählt, dass ich selbst nicht durchblicke, was wahr, was erfunden ist. Zweifellos ist er ein Aufschneider und Täuscher _ aber muss man nicht genau das sein, um ein Geheimagent zu sein? Am liebsten hätte ich aufs Filmplakat geschrieben: CIA there's - one business like showbusiness!

"Geständnisse" ist auch ein Film über Fernseh-Unkultur.

Clooney: Ja. Mein Vater hatte selber eine Gameshow, und ich bin quasi auf einem TV-Set aufgewachsen. Man denkt, die Jahre 1950-1970 waren die große Zeit des Fernsehens. Das ist Quatsch. Wir alle wissen, wie gut Fernsehen sein kann. Aber das Problem ist, wie tief es sinken kann! Hier liegt die Gefahr. Entertainment ist das Unglück. Bei uns glaubt man sogar, dass Nachrichten Unterhaltung sind. Dieses Reality-TV und so ein Mist haben schlimme Folgen für die ganze Gesellschaft. Chuck Barris ist ein Vorreiter dieser Entwicklung. Ich finde Fernsehen heute sehr, sehr schlecht.

Wie ging es Ihnen bei Ihrer ersten Regiearbeit?

Clooney: Ich habe mich nicht darum gerissen. Dazu kam es nur, weil ich wollte, dass der Stoff verfilmt wird - und mit meinem Namen war das möglich. Es war anstrengend, mit so vielen Kollegen zu arbeiten, die ich respektiere. Ich bin da schüchtern, möchte nicht gerade derjenige sein, der "den Ball fallen" lässt.

Sind Sie und Steven Soderbergh die letzten Rebellen Hollywoods?

Clooney: Die Branche ist erbarmungslos, sogar die Warner Brothers wurden in ihrer eigenen Firma gefeuert. Steven und ich haben einen ähnlichen Geschmack, und wir können zu zweit mehr bewirken als allein. Wenn wir Flops produzieren, müssen wir eben "Ocean's Twelve" machen - dann können wir weiterhin auch schwierigere Filme drehen.

 

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