Wahre Liebe zum Blues

- Man kann geteilter Meinung darüber sein, was Wim Wenders alles nicht kann. Aber was er unbestritten meisterhaft beherrscht, ist die virtuose Montage von Ton und Bild. Dieser suggestive Sog aus visueller Brillanz und packender Musik war die große Stärke seiner Spielfilme, und es überrascht im Grunde nicht, dass Wenders einen seiner größten Erfolge mit der Musikdokumentation "Buena Vista Social Club" feierte. Nun legt Wenders mit "The Soul of a Man" wieder eine Musikdokumentation vor und es ist sein bislang wohl schönster und auch persönlichster Film. "The Soul of a Man" ist der erste einer Reihe von insgesamt sieben Filmen, in denen renommierte Regisseure wie Martin Scorsese oder Clint Eastwood ihre Sicht auf den Blues präsentieren. Ganz offenkundig hat Wenders das Thema und das Konzept begeistert, denn keines seiner Werke hat einen derartigen Enthusiasmus versprüht wie "The Soul of a Man".

<P>Mit Konzertausschnitten und Archivaufnahmen erzählt er von den Ursprüngen des Blues', und zwar recht geschickt über den Umweg der Lebensläufe von drei Pionieren dieses ersten originär amerikanischen Musikstils. J. B. Lenoir, Skip James und Blind Willie Johnson schufen in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts unsterbliche Klassiker, wurden aber erst Jahrzehnte später vom Publikum entdeckt. Die aufrichtige Liebe, die Wenders für diese Musik und ihre Schöpfer empfindet, ist in jeder Sekunde spürbar.<BR><BR>Und Wenders hat Gleichgesinnte gefunden, die für die beeindruckendsten Momente des Films sorgen. Wenn aktuelle Popstars wie Beck oder Lou Reed die alten Klassiker neu interpretieren, spielen und singen sie merklich leidenschaftlicher als bei ihren eigenen Stücken: Es ist, als ob sie der Blues von dem Druck befreit, einem Image entsprechen zu müssen. Das Erstaunlichste ist allerdings, dass Wim Wenders Humor zulässt und sich über die obligatorische Bluesbegeisterung seiner Generation lustig macht. Viel Selbstironie beweist er da - und das hätte man ihm eigentlich gar nicht so recht zugetraut. Musik bewirkt eben Wunder - auch bei Wim Wenders. </P><P>(In München: Atlantis i.O.)<BR><BR>"The Soul of a Man"<BR>mit Lou Reed, Beck<BR>Regie: Wim Wenders<BR>Sehenswert </P>

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