Im Wald, da sind die Monster

- Seit "The Sixth Sense" sind die Filme von Regisseur M. Night Shyamalan ein Beweis dafür, dass Horror nicht unbedingt Splatter bedeutet. Shyamalans Mittel, um Gänsehaut zu erzeugen, sind weitaus subtiler und (unterstützt von einem bombastischen, bedeutungsschweren Soundtrack) mit Widerhaken versehen, die sich unerbittlich im Gedächtnis verankern.

<P>So stellt sich in "The Village" rasch das ein, was man als "Shyamalan-Effekt" bezeichnen könnte: Das rationale Denken des Zuschauers wird durch eine perfekt komponierte, farbintensive Bilderflut betäubt, und willig folgt man, nur noch emotionsgesteuert und vom Streichorchester begleitet, den Ködern, die Mr. Shyamalan auswirft. Das macht er mit der hinlänglich bekannten Routine, die bereits eine völlig irrationale Story wie in "Signs" noch zu einem sehenswerten Mystery-Spektakel aufwertete.</P><P>Diesmal spielt die Handlung in dem scheinbar idyllischen Dörfchen Covington in Pennsylvania. Die Bewohner führen ein einfaches Landleben, man pflügt die Felder, schlachtet die Tiere, und sonntags treffen sich alle in der Kirche. Der Wald, der den Ort umgibt, birgt jedoch ein schreckliches Geheimnis. Dort hausen grässliche Monster, die durch nächtliche Überfälle die Einwohner in einem Zustand der Angststarre verharren lassen.<BR>Wie in allen Spielfilmen Shyamalans ist auch hier die Wendung am Ende äußerst markant. Sie verleiht "The Village" eine zusätzliche Ebene, gesellschaftskritische und gar politische Töne werden angeschlagen: Auch die Bush-Regierung etwa hat sich vor dem Irak-Krieg ihre Feindbilder kurzerhand selbst erschaffen. Da aber der Schluss des Films nicht verraten werden sollte, können auch tiefer schürfende Interpretationen nur anklingen.</P><P>"The Village" bietet genügend Projektionsfläche für viele Deutungen. Ein Indiz für einen gelungenen Film? Spannend und geschickt aufgebaut ist er allemal. Virtuos gespielt ebenfalls. Elegant führt Shyamalan die Dorfbewohner und ihre außergewöhnlichen Lebensumstände ein. Mit wenigen, prägnanten Szenen skizziert er die Charaktere: Den Helden mit dem reinen Herzen (Joaquin Phoenix), den Dorfdeppen (Adrien Brodie), die sanfte, aber in der Notsituation doch energische Jungfrau (Bryce Dallas Howard) und den Anführer, der alle Fäden in der Hand hält (William Hurt).</P><P>Aus dieser klassischen, quasi in einzelnen Akten angelegten Dramaturgie geriert Shyamalan sein zwar nicht immer logisches, aber dennoch fesselndes Melodram. Störend ist nur die Häufigkeit, mit der sich der Regisseur, als ob er seinen Mitteln und der Geschichte nicht vertraut, aus der filmhistorischen Wühlkiste bedient: Solange Shyamalan sich nur selbst zitiert - und Erinnerungen an "The Sixth Sense", "Unbreakable" und "Signs" stellen sich schnell ein -, mag das noch gestattet sein.<BR><BR>Doch Shyamalan nudelt auch weitere Filme ab, die nur im Entferntesten mit Fantasy und Grusel zu tun haben, etwa "Sleepy Hollow" oder "Blair Witch Project", dazu ein wenig Nathaniel Hawthorne wie "Der scharlachrote Buchstabe" oder eine Prise Arthur Millers "Hexenjagd". Und das ist ziemlich ärgerlich. </P><P>"The Village"<BR>mit Joaquin Phoenix, Adrien<BR>Brodie, William Hurt<BR>Regie: M. Night Shyamalan<BR>Sehenswert </P><P> </P>

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