Warum Frauen anders sind

- "Meine Frau, die Ilsebill, will nicht so, wie ich gern will." Dies ist der zentrale Satz in dem Märchen "Vom Fischer und seiner Frau" der Gebrüder Grimm. Während der arme Fischer mit allem zufrieden ist, was ihm das Leben so offeriert, kann seine Frau den Hals nicht voll genug bekommen. Wie man weiß, geht die Geschichte übel aus für die gierige Ilsebill. Aber warum eigentlich? Nur weil die Frau wusste, was sie wollte?

Doris Dörrie hat sich in ihrem neuen Film "Der Fischer und seine Frau" an eine Neuinterpretation des Märchens gewagt. Mal hellsichtig und amüsant, mal banal wie im Groschenroman geht Dörrie der Frage nach, warum Frauen so anders sind. Und Männer auch. Ida (Alexandra Maria Lara), eine Modedesignerin, und Otto (Christian Ulmen), Tierarzt und Edelfisch-Züchter, lernen sich auf einer Japanreise kennen und lieben. Hochzeit noch vor Ort in einem Shinto-Schrein, nichts und niemand scheint dem jungen Glück im Wege stehen zu können. Bis beide in Deutschland und auf dem Boden der Tatsachen landen.

Otto lebt als moderner Nomade in einem gammeligen Wohnmobil, Idas Kollektionen verkaufen sich schlecht, zu allem Überfluss wird sie auch noch schwanger. Doch die Ehrgeizige lässt sich kurz vor der Entbindung nicht so schnell aus der Erfolgskurve tragen. In Heimarbeit webt sie Schals, die sich verkaufen wie warme Semmeln. Schnell wird eine passende Bleibe gefunden. Der brave Gatte hütet Heim und Nachwuchs, während die Mama zur großen Karriere durchstartet. Ausstattung und Lebensstil der kleinen Familie werden ständig luxuriöser, weil Ida es sich so erträumt. Otto, ohnehin antriebsschwach, wird vom nicht enden wollenden Drang seiner Frau nach Höherem bald völlig überfordert . . .

Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen. Diese Erkenntnis setzt Doris Dörrie seit Beginn ihrer Karriere als Regisseurin in stets neuen Variationen filmisch um. Schier unerschöpflich ist ihre Fantasie, wenn es darum geht, die komplizierten Beziehungen zwischen Mann und Frau zu illustrieren. Doch so originell der Rückgriff auf Grimms Märchen anfangs auch erscheint und wie clever Dörrie Partnerschaftsprobleme wie Selbstverwirklichung, Familiengründung und moderne Rollenverteilung auch abhandelt - an die leichtfüßige Komik von "Männer", den lebensklugen Gehalt von "Bin ich schön?" oder die bissige Gesellschaftskritik von "Nackt" reicht "Der Fischer und seine Frau nicht heran".

Das mag daran liegen, dass Dörrie von Beginn an keinen Zweifel daran lässt, dass ihre Sympathien ausschließlich Ida und ihrem Immer-mehr-Wollen gehören. Für die Figur des eher kontemplativ veranlagten, aber keineswegs tumben Otto bleibt einfach zu wenig Raum zur stimmigen Charakterentfaltung. So gerät der Film in eine eigentümliche Schieflage und kreiselt irgendwann ausschließlich und sehr langatmig um Ida, obwohl ihr Angetrauter die eigentlich spannungsreichere Rolle wäre.

(In München: Maxx, Gloria, Leopold, Rio.)

"Der Fischer und seine Frau"

mit Christian Ulmen, Alexandra Maria Lara

Regie: Doris Dörrie

Annehmbar

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