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Christian Lerch, hier bei den Dreharbeiten zu „Was weg is, is weg“, lebt mit seiner Familie bei Wasserburg am Inn. Er prägte mit seinen Drehbüchern für „Wer früher stirbt, ist länger tot“, „Schwere Jungs“ oder „Beste Zeit“ den neuen bayerischen Film.

„Was weg is, is weg“: Porträt mit Christian Lerch zum Kinostart

München - Wer die vergangenen Jahre in Bayern gelebt hat und sich auch nur ein winzig kleines bisschen für Kino interessiert, kennt den Namen Marcus H. Rosenmüller.

Der Regisseur so erfolgreicher Spielfilme wie „Wer früher stirbt, ist länger tot“, „Schwere Jungs“, „Beste Zeit“ oder „Sommer in Orange“ hat den modernen bayerischen Heimatfilm stark beeinflusst und weiterentwickelt. Christian Lerch kennen bislang eher die Theaterbesucher. Dabei hat der Schauspieler und Drehbuchautor maßgeblichen Anteil an diesem Kinoerfolg. Schließlich hat er unter anderem die Drehbücher für „Wer früher stirbt“, „Räuber Kneißl“ und „Die Perlmutterfarbe“ verfasst. Statt „typisch Rosenmüller“ könnte man ebenso sagen „typisch Lerch“.

Dass sich die beiden beim ersten Telefonat bereits bestens verstanden haben, wie Christian Lerch erzählt, glaubt man sofort. Trotzdem hat Lerch dem „Rosi“ damals erst einmal abgesagt. In einem Film mit dem Titel „Nur Schreiner machen Frauen glücklich“ wollte er keine Hauptrolle spielen. „,Das kann ich jetzt nicht brauchen‘, habe ich mir gedacht. War ganz schön blöd, wurde schließlich ein Superfilm“, erinnert sich Lerch fröhlich und ohne einen Hauch Wehmut. „Ich habe stattdessen damals lieber für meinen Onkel das Dach gedeckt.“ Ein paar Anläufe brauchte es dann noch, ehe aus der losen Bekanntschaft der beiden das Erfolgsteam wurde, das 2006 mit „Wer früher stirbt“ quasi über Nacht das Genre des Heimatfilms und genau genommen gleich noch das gesamte deutsche Kino reanimierte.

„Das war schon komisch. Plötzlich ist man offiziell Autor. Dabei habe ich auch ein Riesenglück gehabt“, sagt Lerch. „Ich weiß, dass ich etwas kann. Aber es gibt eben ganz viele, die auch etwas können. Man muss erst einmal dorthin kommen, wo man bemerkt wird.“ Wenn der gebürtige Wasserburger über sein Leben auf dem Land, mit zwei Kindern, auf einem Hof und im Kreise einer Großfamilie erzählt, dann ist schnell klar, dass dieser Mann nur schwer still sitzen kann. Ständig wird etwas gewerkelt und bewegt. Nach der Schule trampte der jungenhafte 46-Jährige durch viele Länder, die Hälfte der Welt dürfte Lerch bereist haben. Auch beruflich hat der Schauspieler von Anfang an wenig Sitzfleisch, aber viel Talent bewiesen. Nach der Ausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz folgten Engagements am Münchner Volkstheater und den Münchner Kammerspielen.

Als Franz Xaver Bogner 1994 des Kinofilms „Madame Bäurin“ wegen anfragte, stand Lerch gerade in Braunschweig auf der Bühne. „Ich konnte nicht nach München fahren für das Vorsprechen. Fand das aber nicht tragisch. Damals war mein Zentrum noch das Theater.“ Seitdem hat sich einiges getan in Christian Lerchs Leben. Nicht nur, dass er und Franz Xaver Bogner doch noch zusammenfanden und viele gemeinsame Projekte gestemmt haben (heute, 18.30 Uhr, läuft in der ARD „München 7“ mit Lerch). Auch das Theater hat sichtlich an Stellenwert verloren: „Ich weiß gar nicht, in welchem Zusammenhang ich mir wünschen soll, wieder Theater spielen zu dürfen. Ich kann es mir schon vorstellen, aber es reizt mich gerade nicht sehr. Im Moment befinde ich mich mehr in einer Filmphase“, bekennt er. Dabei lassen sich manche Szenen in seinem Regiedebüt „Was weg is, is weg“ als deutliche Hommage ans Theater erkennen: „Ich hoffe, man bemerkt, dass manche Szenen als kleine Verneigung vor dem Theater gemeint sind.“

Grundlage für „Was weg is, is weg“ war allerdings kein Theaterstück, sondern der Roman „Bellboy“ von Jess Jochimsen. „Ursprünglich sollte ich dazu ein Drehbuch schreiben, aber irgendetwas hat nicht so recht gepasst. Es wurde einfach nicht rund. Dann habe ich vorgeschlagen, etwas Eigenes daraus zu machen. Und dann lief’s plötzlich“, erklärt Lerch. Für den schließlich entstandenen Film hat er jede Menge in seiner Jugend gewildert: „Ich habe mir überlegt, welche Typen es damals auf dem Land in den Achtzigern gab, wer da so um einen herum war. Wer hat genervt? Wen und vor allem auch was fand man gut? Zu welcher Gruppe gehörte man selbst?“

Wem die uneingeschränkte Sympathie des Filmemachers gehört, bemerkt man in „Was weg is, is weg“ ziemlich schnell. Am liebevollsten ruht der Blick der Kamera allerdings auf der Landschaft: „Wir haben in der Nähe von Kraiburg gedreht. In Orten, die eine ungeschleckte Schönheit haben. Da ist noch nix tot renoviert, und manche Ecken sind wie aus der Zeit gefallen. Das war uns gerade recht.“

Ulrike Frick

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