Weichei im Bärenfell

- Der zahme Grizzly Boog führt ein geruhsames Leben in dem verschlafenen Örtchen Timberline am Rande der Rocky Mountains. Die junge Wildhüterin Beth beherbergt den riesigen Bären in ihrer Garage, offeriert ihm acht Mahlzeiten pro Tag, und abends kuschelt sich Boog (gesprochen von Thomas Heinze) mit seinem Teddy Mr. Dinkelman selig in ein gigantisches Hundekörbchen.

Erst als der dürre Elch Elliot (hinreißend synchronisiert von Jürgen Vogel) seine beschaulichen Pfade kreuzt, gerät Boogs Dasein in Aufruhr: Der freche Elliot animiert den naiven Bären zu allerhand Unsinn, bis Beth ihr überdimensionales Haustier schweren Herzens wieder im Wald aussetzen muss.

Der ausschließlich an Menschen und deren zivilisatorische Annehmlichkeiten gewöhnte Boog erleidet in der Wildnis einen wahrhaften Kulturschock. Und die Tiere des Waldes können nicht fassen, was für ein vermenschlichtes Weichei im Bärenfell sich da zu ihnen verirrt hat. Doch der freche Elliot ist ja auch noch da, und mit seiner Hilfe wird der tollpatschige Boog sogar die Jagdsaison überleben...

Die Regisseure Roger Allers und Jill Culton sind keine Neulinge in der Animationsfilm-Branche, und diese routinierte Souveränität sieht man "Jagdfieber" im positiven wie im negativen Sinne an. Wirklich neu ist die Geschichte über zwei Freunde in der großen weiten Welt nicht gerade, und auch viele Gags hat man schon gesehen. Vielleicht liegt das Déjà-vu aber auch an der Flut von Animationsfilmen, mit denen die Kinos seit einigen lukrativen Kassenerfolgen wie "Ice Age" oder "Ab durch die Hecke" überschwemmt werden.

"Jagdfieber" ist der erste Film, mit dem Sony den Pixar Studios ihren Ruf als Animationsfilm-Könige streitig machen möchte. Die Ausgestaltung der Szenen ist gewohnt detailgenau. Manche Pointen zünden tatsächlich. Die Animation lässt kaum noch Wünsche offen. Sogar das zottelige Fell Boogs weht stets ordnungsgemäß und perfekt digitalisiert. Perfekt, aber auch seltsam steril. Der Bösewicht raucht, trägt Bart und eine Flinte über der Schulter, den Guten scheint zuverlässig die Sonne.

Derlei holzschnittartige Charakterzeichnungen sind in Filmen für die ganze Familie nicht sträflich. Besonders kleinere Kinder werden sich auch darüber freuen, dass die Geschichte in einem sehr gemächlichen Tempo erzählt wird. Erwachsene hingegen dürften sich bis zum Happy- End nach einem etwas ausgereifteren Drehbuch sehnen. Denn wenn die Tierchen kein Herz haben, nützt das bunteste Fell nichts.

"Jagdfieber"

Regie: Roger Allers/ Jill Culton

Annehmbar

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