Das ist wie Weihnachten

- Eine vielseitige Schauspielerin: 1971 in Berlin geboren, arbeitete Nicolette Krebitz nach Tanzausbildung und Schauspielschule vor allem für Kino und Fernsehen. Sie drehte unter anderem "Bandits" und "Der Tunnel". Daneben jobbt sie gelegentlich als Model, singt und schreibt. Mit "Jeans" kommt jetzt ihre erste Regiearbeit ins Kino.

<P>Als Schauspielerin haben Sie mit einem gewissen Ruf zu kämpfen: Sie gelten als handwerklich hervorragend, aber persönlich etwas zickig . . .<BR><BR>Krebitz: Das ist Quatsch. Im Grunde hab ich einfach nur gearbeitet, genau und verantwortungsvoll. Am Anfang, als ich sehr jung war, haben mich manche Regisseure sicher nur wegen meiner braunen Kulleraugen besetzt. Und wenn man auch den Mund aufmacht und seinen eigenen Kopf hat, kommt es schnell zu solchen Ansichten. Ich habe mit Autoren und Regisseuren oft um Texte gekämpft. Besonders im deutschen Fernsehen sind die geschriebenen Texte häufig schrecklich, wie aufgesagt. So redet keiner, so steht es nur in deutschen Drehbüchern.</P><P>Jetzt stehen Sie selber auf der anderen Seite.</P><P>Krebitz: Ich finde es schon toll, dass da wirklich zwei Schauspieler das spielen, das ich mir ausgedacht habe. Für mich ist es ein Riesengeschenk, wie Weihnachten. Ein Großteil meiner ersten beiden Filme, also von "Jeans" und dem Kurzfilm "Mon Cherie", entstand dann am Schneidetisch. Da ich auf digitalem Material gedreht habe, konnte ich experimentieren und beim Dreh viel improvisieren.</P><P>Wie kam es dazu, dass Sie Regisseurin wurden?</P><P>Krebitz: Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt. Am Film hat mich nie nur die Tatsache interessiert, dass ich darin vorkomme. Man kann als Schauspieler lediglich ein, zwei Streifen im Jahr drehen, die man selbst wirklich gut findet. Und das füllt einen auf Dauer nicht aus. Ich kann als Schauspieler auch nicht den ganzen Tag ins Fitnessstudio rennen, meine Wohnung in allen möglichen Farben streichen . . . Also wollte ich etwas Sinnvolleres tun.</P><P>Woran haben Sie sich in Ihrer Arbeit orientiert</P><P>Krebitz: "Jeans" ist ein spontanes Projekt gewesen. Als ich begonnen habe, habe ich über vieles gar nicht genau nachgedacht: Kann ich das oder nicht? Ich finde, ich konnte es ganz oft nicht, und es ist im Gesamtergebnis trotzdem sehr o.k. geworden. Gerade weil man die Spontaneität sieht.</P><P>Warum heißt der Film "Jeans"?</P><P>Krebitz: Ich hatte dabei auch an ein Kleidungsstück gedacht, durch das sich das Geschlechterverhältnis auflöst. Jeans ist überdies ein Symbol, weil man als junger Mensch ein spezielles Verhältnis zu seiner Lieblingsjeans hat, immer eine perfekte sucht, sie aber noch nicht gefunden hat. Wie die Liebe. So wie es irgendwo die ideale Jeans gibt, gibt es auch irgendwo die wahre Liebe.</P><P><BR> </P>

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