Weine nicht, Kuba

- Oliver Stone kennt man durch seine Spielfilme. Gerade kam "Alexander" ins Kino, der einen charismatischen Polit-Visionär zeigt, zugleich auch nach den Abgründen der Macht fragt. Beides tut Stone auch mit Fidel Castro. "Comandante" ist eine Dokumentation, doch vor allem ein Stone-Film - in seinem Sujet, im nervösen Schnitt und dem Verzicht aufs Moralisieren. Drei Tage war Stone in Kuba. Er stellt den Diktator kritisch dar, bleibt aber subtil.

<P>Was hätte es gebracht, wenn er sich auf ideologische Grundsatzdebatten eingelassen hätte? Castro spricht für sich selbst, das heißt: Er demontiert sich auch selbst. Glücklicherweise ist Stone kein Michael Moore, der seine Interviewpartner vor laufender Kamera beschimpft, noch kommentiert er in der pädagogischen Manier klassischer Dokumentarfilme aus dem Off, wie der Zuschauer die Bilder, bitteschön, zu verstehen habe. Er lässt ihm vielmehr die Wahl.<BR><BR>Stone ist fair genug, auch die andere Seite zu zeigen: Er vergleicht Castros Herrschaft mit der seines Vorgängers Batista, bei der die Verhältnisse weit schlimmer waren. Im Gegensatz zu Argentinien, Bolivien, Peru, von Haiti oder Nicaragua ganz zu schweigen, gibt es auf Kuba keinen Hunger und eine Gesundheitsversorgung nach westlichem Standard. Stone verschweigt die Folgen des US-Embargos nicht, das Kubas Wirtschaft seit über 40 Jahren nahezu erdrosselt.<BR><BR>"Comandante" ist vor allem das Porträt eines Mannes, der seinen eigenen Mythos überlebt hat. Fidel Castro hat Charisma und Charme. Er ist Stone sympathisch, weil er an seinen Idealen festhält. Aber Stone verliert deshalb nie den kühlen Kopf: Wenn Castro sagt, "normalerweise bin ich sehr selbstkritisch", dann schneidet Stone nicht, sondern zeigt, wie Castro sich widerlegt, indem er diesem Satz ein ausführliches Selbstlob folgen lässt. Wenn der Regisseur dazu den "Evita"-Song "Don't cry for me, Argentina" spielt, sagt solch ein ironischer Kommentar alles. </P><P>(In München: Atlantis i.O.)<BR><BR>"Comandante"<BR>Regie: Oliver Stone<BR>Hervorragend </P>

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