Ingolstadt entlässt Walpurgis - Interims-Nachfolger steht fest

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Weißblaues Rauschen

Oscar für "Das Leben der Anderen": - "Wir sind Oscar", fasst es Moderator Christoph Süß zusammen. "Und jeder der hier Anwesenden hat spätestens seit der Oscar-Nacht schon immer gewusst, dass aus Florian Henckel von Donnersmarck einmal ein ganz Großer werden würde." So kann man es ausdrücken. Am Dienstagabend waren sie alle versammelt im Kaisersaal der Münchner Residenz.

Alle, die den Geehrten auf seiner bisher schier unglaublichen Karriere freundschaftlich und wohlwollend begleitet haben. Alle, die künftig mit ihm arbeiten möchten. Und alle, die sich gerne im Glanz des erst 33 Jahre alten Academy-Award-Gewinners sonnen wollen.

Münchner Filmhochschule als einmalige Kaderschmiede

Es war also ein ordentliches Gedränge zu Beginn dieser Veranstaltung, mit der sich die bayerische Filmbranche wieder einmal selbst auf die Schulter klopfen durfte. Und zu Recht. Die Fakten bestätigen das überbordende Selbstbewusstsein, das der "Medienstandort München" bei derlei Anlässen immer gerne verströmt: Der deutsche Film hat nach einem desaströsen Jahr 2005 wieder enorm zugelegt.

"Wer früher stirbt ist länger tot", "Das Parfüm", "Schwere Jungs", "Der Räuber Hotzenplotz", "Die wilden Kerle" (Teil 3 und 4), "Hui Buh", "TKKG" oder "Die wilden Hühner 1 und 2", um nur einige zu nennen, sind alle mit bayerischem Geld finanziert und von Münchner Firmen produziert. Auch die vielen Filme des Bayerischen Fernsehens, egal ob Eigenregie oder Koproduktionen, sind anspruchsvoll und erfolgreich zugleich. Ganz zu schweigen von leicht konsumierbarer Fernsehkost wie "Marienhof" und anderem, was in den Bavaria-Film-Studios, in Ismaning und Unterföhring gefertigt wird.

Schon seit einiger Zeit ist klar, dass München Berlin als Filmhauptstadt den Titel streitig gemacht hat. Gefeiert wird gern in Berlin. Geschäfte macht man lieber in München. Und dann die Hochschule! Natürlich, auch andere Städte besitzen Ausbildungsstätten für den Kinonachwuchs, und renommiert sind einige von ihnen. Absolventen, aus denen etwas geworden ist, können ebenfalls alle Institute vorweisen.

Doch keine andere Filmhochschule bringt es wie die Münchner Kaderschmiede auf nunmehr vier Oscar-Nominierungen und -Gewinne: 2005 Bayambasuren Davaas "Geschichte vom weinenden Kamel" in der Sparte "Beste Dokumentation". 2003 Caroline Link für "Nirgendwo in Afrika". Florian Gallenberger war 2001 siegreich mit seinem Kurzfilm "Quiero ser". Allesamt waren sie Absolventen der HFF hinterm Giesinger Bahnhof.

Angesichts dieser bayerischen Erfolgsserie kann schon einmal der Gaul mit einem durchgehen, dass es nur noch so weißblau rauscht an einem Abend wie der Oscar-Nachfeier für Florian Henckel von Donnersmarck. Allein deswegen, weil der sich in seiner Dankesrede recht deutlich für längere Zeit aus dem deutschen Filmgeschehen abmeldete. "Aber ich bin in Deutschland fest verwurzelt, meine Familie lebt hier seit dem 15. Jahrhundert. Und ich kehre Bayern und Deutschland nicht den Rücken, wenn ich dort in Hollywood jetzt meine Chance nutzen werde."

Einen Oscar gewinnen für den Abschlussfilm an der Filmhochschule, das ist unbestreitbar eine Sensation. Dass dieser Gewinner sich dann auch noch vor aller Welt bei den Bajuwaren dafür bedankt, genau genommen ebenfalls. "Ich danke Deutschland und Bayern, dass sie diesen Film möglich gemacht haben", verkündete der frisch gekürte Academy-Award-Sieger am 25. Februar im Kodak Theatre zu Los Angeles.

Caroline Link wurde damals in einem zugigen Flur gefeiert

Das dürfte nicht nur unserem scheidenden Ministerpräsidenten das Wasser in die Augen getrieben haben. Und womöglich war es diese fortan für immer in den weißblauen Kino-Olymp eingemeißelte Sentenz, die Donnersmarck nach der Heimkehr einen so üppigen Empfang zu seinen Ehren bescherte. Zahlreiche Honoratioren der Filmwirtschaft waren zugegen, viele Entscheidungsträger und Strippenzieher, die gewöhnlich lieber im Hintergrund agieren. Und die üblichen Verdächtigen wie Uschi Glas, ohne die in München kaum ein Event auszukommen scheint.

Die Veranstaltung anlässlich des Oscars von Caroline Link fiel 2003 da noch weitaus bescheidener aus. Kein prachtvoll-güldener Kaisersaal, keine hohe Prominentendichte, keine Rede des Landesvaters. Stattdessen sprach Erwin Huber ein paar Worte in einem zugigen Flur der Residenz. Aber Caroline Link pries auch nicht auf der Bühne des Kodak-Theatre mit schmeichelnden Worten die bayerischen Filmfördertöpfe, ja stand nicht einmal persönlich vor den Kameras der Weltöffentlichkeit an diesem wichtigen Abend ihrer Regiekarriere. Sondern hütete zu Hause die kranke Tochter.

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