Weiten des Westerns

- Für Kevin Costner war es eine letzte Chance: "Open Range" sollte nach einer Serie von Flops seinen Ruf als Star und Filmemacher retten. Tatsächlich hat er sich mit seiner dritten Regie-Arbeit rehabilitiert. Zurückhaltend und ohne sich anzubiedern, hat Costner die uramerikanische Filmgattung des Westerns wiederbelebt. Die Geschichte ist klassisch schlicht. Vier Cowboys, die ihr Vieh auf freiem Land weiden lassen und durch die Weiten des Westens ziehen, geraten mit einem einflussreichen Rancher aneinander. Der will die Viehtreiber nicht in der Gemeinde haben, die er kontrolliert, die Cowboys bestehen auf ihrem Recht. Der Streit eskaliert, denn es geht - natürlich - ums Prinzip.

<P>Costner inszeniert das ohne Umwege, lässt sich aber Zeit, um die Charaktere und ihre Motive zu erhellen. "Open Range" ist damit nicht einfach nur ein Aufguss von bekannten Genre-Elemente, sondern eine Fortentwicklung. Der Regisseur verklärt nicht, das Vagabunden-Dasein der Cowboys ist voller Entbehrungen, und von Lagerfeuerromantik ist nichts zu spüren. Die Sitten in den Außenposten der Zivilisation sind rau und die Menschen der Willkür der Stärkeren ausgesetzt. Hier setzt Costner an, der gerne vom Konflikt zwischengesellschaftlicher Verpflichtung und individueller Freiheit erzählt. </P><P>Wie man als unabhängiger Geist in einer Gemeinschaft funktionieren kann, ist das Thema, das ihn interessiert. Idealist, der er ist, lässt Costner am Ende einen Aufstand der Aufrechten zu, die den Rancher-Tyrannen bekämpfen, als sie sehen, dass die Cowboys mit gutem Beispiel voran gehen.</P><P>Dass man das als Zuschauer schluckt, liegt vor allem an Robert Duvall und Kevin Costner selbst, die als maulfaule Cowboys brillieren, die für ihre Überzeugungen einstehen, ohne pathetisch zu wirken. Wie sie stoisch darüber beraten, wann man sich beugen kann und wann man unbeirrt stehen bleiben muss, ist grandios gespielt. Das eigentliche Kunststück gelingt Costner aber mit der wunderbar zarten Romanze, die er subtil am Rand zeigt: Einer der Cowboys verguckt sich in eine nicht mehr taufrische Dame des Ortes (Annette Bening) und bringt mit "alles, was ich gesagt habe, habe ich auch so gemeint" eine unsterbliche Liebeserklärung vor. Gesagt hat der Mann zuvor nämlich kaum etwas. (In München: Mathäser, Royal, Leopold, Cinema und Museum i. O.)</P><P>"Open Range"<BR>mit Kevin Costner, Robert Duvall, Annette Bening<BR>Regie: Kevin Costner<BR>Sehenswert </P><P> </P>

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