Die Welt der korrupten Anzugträger

- Geschäfte, Geheimdienste und Gewalt - wer wissen möchte, was Terrorismus mit Außenhandel zu tun hat, sollte diesen Film sehen. Wer immer noch glaubt, Politikern und Wirtschaftsbossen ginge es nur um Menschenrechte und Wohlstand für alle, sollte ihn ebenfalls anschauen. Und auch, wer einfach einen perfekten Thriller sehen möchte, der ins Herz unserer Gegenwart trifft, darf sich "Syriana" nicht entgehen lassen.

Regisseur Stephen Gaghan wurde als Drehbuchautor von Steven Soderberghs "Traffic" berühmt. Soderbergh fungiert diesmal als Produzent, ebenso wie George Clooney, der auch eine der Hauptrollen spielt. "Syriana" ist voller unaufdringlicher, aber unverhohlener Kritik. Doch vor allem ist dies ein Film, der gut beobachtet und der bei aller Klarheit die Dinge nicht einfacher macht, als sie sind.

Ähnlich wie in "Traffic" werden mehrere Handlungsfäden zu einem feinen Erzählteppich verknüpft. Ein CIA-Agent (Clooney) wird unbequem; ein Öl-Händler (Matt Damon) sieht die Verhältnisse plötzlich mit anderen Augen; ein Wirtschaftsanwalt (Jeffrey Wright) soll eine umstrittene Firmenfusion "festklopfen"; ein arabischer Thronfolger (Alexander Siddig) wird den Amerikanern gefährlich; ein Ölarbeiter (Mazhar Munir) lässt sich von Islamisten anwerben.

Alle diese Schicksale und viele andere sind auf komplexe, aber immer nachvollziehbare Weise miteinander verbunden. Der Filmtitel ist übrigens das CIA-Codewort für "Nahost-Probleme".

"Korruption ist der Grund, warum wir gewinnen." So lautet einer der vielen zynisch-wahren Dialogsätze des Films. "Syriana" ist ein faszinierender, bitterer, nichts schönfärbender Thriller über die Welt der Gegenwart, über Verschwörungen, über die Ausbeutung des Nahen Ostens durch den Westen.

Brillant inszeniert, in blaugrauen Farben und wunderbaren Bildern - die Kamera führte Robert Elswit ("Magnolia", "Good Night and Good Luck"), der Schnitt stammt von Ang Lees Stamm-Cutter Tim Squyres -, dringt der Streifen ins Milieu jener Anzugträger ein, die unsere Welt beherrschen, in die Gesten und das Gerede, in die offene Sprache der Macht.

Sein illusionsloser Ton erinnert an "Der stille Amerikaner" oder "Die drei Tage des Condor". Und seine Helden sind fast durchwegs Personen, die von ihrem jeweiligen Milieu nicht gut behandelt und in irgendeiner Form verraten werden. Die Dummen und die Bösen siegen.

"Syriana"

mit George Clooney, Matt Damon

Regie: Stephen Gaghan

Hervorragend

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