Die Welt als Spirale

- Ein genauer Blick auf die Wirklichkeit und zeitgleich deren märchenhafte Verfremdung _ mit dieser Formel feiert das asiatische Kino in den letzten zwei Jahrzehnten immer neue Erfolge. Zwei weitere Beispiele, an denen man gut die stilistische Spannbreite dieser Filme ablesen kann, hatten jetzt in München Premiere: "Iron Ladies" aus Thailand und der japanische "Uzumaki".

<P>Mon ist ein genialer Volleyballspieler. Trotzdem nimmt ihn kein Team auf, denn Mon ist schwul und steht dazu - im konservativen Thailand Grund genug, jemanden auszugrenzen. Darum beschließt Mon, sein eigenes Team zu gründen. Mit dabei ist Pia, ein transsexueller Kabarett-Star, und Wit, ein thailändischer Musterknabe und Schwiegermüttertraum. Pech für seine Familie, dass sie nicht ahnt, dass auch er sich zu Männern hingezogen fühlt. Und trainiert wird die Truppe von Bee, einer Frau.</P><P>Yongyooth Thongkonthuns Film "Iron Ladies" ist nicht nur dadurch reizvoll, dass er ein dynamisches, durchaus gut auch fürs westliche Publikum geeignetes Stück Unterhaltung darstellt - nicht grundlos gewann er den Publikumspreis des Berlinale-Panorama 2002. Dem Plot zugrunde liegt überdies die wahre Geschichte eines Volleyballteams, das 1996 die thailändische Meisterschaft gewann - manchmal folgt das Leben bester Hollywood-Dramaturgie.</P><P>Fantasy für Erwachsene bietet "Uzumaki" von einem Regisseur namens Higuchinsky. Sein Film beginnt mit einem Geschäftsmann, der eines Morgens tot aufgefunden wird - in seiner Waschmaschine, mit zur Spirale verbogenem Körper.</P><P>Bald häufen sich die ungewöhnlichen, mysteriösen Ereignisse in einem Dorf - jedes Mal sorgt eine Spiralform für Verwirrung. Schnell wird klar, dass es sich bei "Uzumaki" (was "Spirale" bedeutet) um eine Horror-Komödie handelt, die sich über die Konventionen und konservativen Werte der japanischen Gesellschaft lustig macht.<BR><BR>Wo die Kultur - unter anderem - auf der Liebe zur Geometrie basiert, wird die Spirale zur Metapher für Befreiung durch produktive Unordnung: Brave Schulmädchen haben zum Beispiel plötzlich spiralförmige Löckchen - was für Japaner wohl noch ungewöhnlicher und lustiger ist als für Europäer. Ein Vater sammelt Schneckenhäuser, die Mutter formt die Suppennudeln in Spiralform. . . Die Welt scheint sich zu drehen. (In München: Apollo i. O.)<BR></P>

Auch interessant

Kommentare