Weltraum-Schrott

- Die Sonne verglüht von innen. Eine Gruppe von Wissenschaftlern wird im Jahr 2057 in einem Raumschiff auf die Reise geschickt, um den physikalischen Prozess mittels Zündung einer riesigen Atombombe umzudrehen und quasi per Kickstart die Menschheit zu retten. Warum ihr Raumschiff "Ikarus" heißt, wissen die Götter.

Ikarus war ja nicht nur der mythische Held, der der Sonne am nächsten kam, er stürzte daraufhin tödlich ab. Der Name verweist also auf den unglücklichen Ausgang, den auch diese Mission nehmen wird.

Kurz nachdem die "Todeszone" erreicht ist, in der der Kontakt mit der Erde unmöglich ist, trifft das Schiff auf Signale einer gescheiterten Vorgängermission. Um mehr herauszufinden, lässt sich die "Ikarus" vom Weg abbringen - die erste von vielen Story-Wendungen, die diesen Film auch in der Welt der Science-Fiction recht unwahrscheinlich wirken lassen…

Regisseur Danny Boyle ("Trainspotting") zitiert eine Fülle mehr oder weniger bekannter Science-Fiction-Filme und -Motive. Das Ergebnis sieht zwar mitunter aus wie "Alien" oder erinnert von fern an "Solaris" und "2001". Aber es dominiert dabei das Gefühl, alles schon einmal gesehen zu haben, Bekanntem nur neu zusammengesetzt zu begegnen. Und manchmal, vor allem gegen Ende, kommt einem auch Weltraum-Schrott wie "2010", "Event Horizon" und Wissenschafts-Hokuspokus wie "The Core" in den Sinn.

Der Reiz von "Sunshine" liegt daher nur im Atmosphärischen eines interstellaren Kammerspiels: Wenn die Crewmitglieder mit immer neuen Unglücken fertig werden müssen, mit Sterben und Selbstmord von Kollegen, mit der Gewissheit des eigenen Todes und der Hoffnung, wenn schon nicht sich selbst, so doch die Welt zu retten. Drehbuchautor Alex Garland, dessen Romane "The Beach" und "28 Days Later" gleichfalls von Boyle verfilmt wurden, ist für Subtilitäten allerdings der Falsche.

Als ob der Film Angst vor den Konsequenzen der eigenen Einfälle hätte, dreht er immer wieder ab, sobald vage tiefere Bedeutung anklingt und flüchtet sich in schrille Effekte und allzu schnelle Antworten. Am Ende, als man schon die Behauptung schlucken muss, dass der Kapitän des ersten Schiffes überlebt hat und als christlicher Fundamentalist und selbsternannter Gottesdiener nun die neue Mission torpedieren will, gleicht dieser auch noch dem Horrormonster Freddy Krueger und der Film einem LSD-Trip. Da wird‘s zum Ärgernis, zuvor ist "Sunshine" ganz hübsch anzusehen, allerdings nur oberflächlich beeindruckend.

In München: Mathäser, Royal, Leopold, Cinema i.O.

"Sunshine"

mit Cillian Murphy, Michelle Yeoh

Regie: Danny Boyle

Annehmbar

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