Wenn Papa zur Mama wird

- Eine Dame und ein Halbwüchsiger rollen in einer schrottreifen Karre durch Amerika. "Aha, Mutter und Sohn", denkt man, doch das Auge trügt. Die vermeintliche Mutter ist der Vater auf dem Weg zur operativen Geschlechtsumwandlung, die für die nächste Woche in Los Angeles festgesetzt ist. Und der Sohn hält die geheimnisvolle Fremde, die ihn in New York aus dem Jugendarrest geholt hat, zunächst für eine kirchliche Sozialarbeiterin.

Reise durch den amerikanischen Kontinent

Wie die Filmlogik es will, hat der Vater erst eine Woche vor der Geschlechtsumwandlung von der Polizei erfahren, dass er überhaupt einen fast erwachsenen Sohn hat: Die Mutter ist tot, der Stiefvater hat den mittlerweile 17-Jährigen als Kind sexuell missbraucht, und dieser war als Stricher und angehender Drogendealer auf der Straße gelandet, wo die Polizei ihn verhaftet hatte. Da die Therapeutin des Vaters ihre Einwilligung zur Operation erst geben will, wenn dieser sich um seinen Sohn gekümmert hat, und da der Sohn dringend eine Betreuung braucht, sind Vater und Sohn nun aneinandergekettet und gehen auf eine lange Reise quer durch den amerikanischen Kontinent.

Nichts ist so intim, als zu zweit in einem Auto durch die Landschaft zu rollen. Durch die Enge des Raums bewegen sich die Personen aufeinander zu. So entrollt sich allmählich die Wahrheit. Zugleich ist der Film auch eine Entdeckungsreise in das unendliche Gebiet der Erziehung. Für den Zuschauer ist es amüsant zu sehen, wie die Dame/ der Vater stets das richtige Wort findet, um den schwer erziehbaren Jungen in die rechte Bahn zu lenken. So nähern sich beide immer weiter an, ohne sich von ihren eigentlichen Zielen abbringen zu lassen.

Im Grunde konzentriert sich Duncan Tuckers fantastisches Drehbuch auf die beiden Hauptfiguren, die in Felicity Huffman (Vater, zu Recht Oscar-nominiert für die beste weibliche Hauptdarstellerin) und Kevin Zegers (Sohn) großartige Verkörperungen finden. Man nimmt beiden diese Geschichte ab. Dazu trägt auch die hervorragende deutsche Synchronisation ein gutes Stück bei.

Die Kamera fährt stets sehr nahe an die Gesichter heran, und das erzeugt gemeinsam mit den Stimmen eine dichte Atmosphäre, die einer guten Theateraufführung Ehre gemacht hätte. Ein wundervoller, herrlich amüsanter Film, der seine ernste Thematik - Transsexualität und Erziehung - ohne ermüdendes Zeigefingern meistert.

(In München: Filmcasino, Leopold, Atelier, Arena, Cinema i.O., Museum i.O.)

"Transamerica"

mit Felicity Huffman, Kevin Zegers

Regie: Duncan Tucker

Hervorragend

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