Ich bin das Werkzeug

- "Das Wichtigste ist, dass die Rollen, die ich spiele, irgendeine Ecke haben, die nichts mit mir zu tun hat. Wenn die Figur mir selbst zu ähnlich ist, finde ich das total langweilig." Diese Sorge musste Moritz Bleibtreu bei seinem Part in "Vom Suchen und Finden der Liebe" nicht haben. Denn der Charakter des Komponisten Mimi Nachtigall, dessen große Liebe zur Sängerin Venus Morgenstern auf tragische Weise scheitert, ist nicht sehr nah dran an Bleibtreus Leben. Dafür umso dichter an dem seines Regisseurs und Drehbuchautors Helmut Dietl. Der Münchner Kult-Filmemacher ("Monaco Franze", "Kir Royal", "Schtonk") hat in seinem jüngsten Werk sanft, aber unübersehbar seine vergangene Beziehung zu Schauspielerin Veronica Ferres variiert. Kino-Start ist morgen.

<P class=MsoNormal>Sie wirken nie in Fernsehproduktionen mit, und die Rollen Ihrer Kinofilme sind sehr mit Bedacht ausgewählt, scheint es.<BR>Bleibtreu: Das Drehbuch sollte mir schon gefallen. Aber das alleine macht ja noch keinen guten Film aus. Man kann aus jedem guten Skript einen schlechten Film machen und umgekehrt. Man weiß so was leider nie vorher. Wenn man es wüsste, gäbe es wohl keine Flops mehr auf der Welt. Selbst das schlimmste Machwerk aller Zeiten war mal gut angedacht.</P><P class=MsoNormal>Die Gefahr, dass ein Film aus dem Hause Dietl floppt, ist aber eher gering.<BR>Bleibtreu: Ich freue mich schon wahnsinnig darüber, dass ich überhaupt mitmachen durfte. Die Zusammenarbeit mit Helmut Dietl war etwas ganz Besonderes und Einzigartiges für mich.</P><P class=MsoNormal>Helmut Dietl gilt als ein sehr pedantischer und außerordentlich schwieriger Regisseur.<BR>Bleibtreu: Ach, ich glaube, da wird auch gerne im Nachhinein viel aufgebauscht. Aber sicherlich ist er ein besonders präziser, genauer Arbeiter, der sich das Recht herausnimmt, auf eine ganz eigene und, von außen betrachtet, sehr luxuriöse Art Filme zu drehen. Er fordert von allen, die mit ihm arbeiten, das Maximale. Aber das fordert er auch von sich selbst. Ich finde, wenn es mehr Leute gäbe, die ihre Sachen, egal ob im Film oder in welcher Branche auch immer, so exakt und bewusst und mit so viel Kenntnis machen würden wie er, würde die Welt mit Sicherheit etwas anders aussehen.</P><P class=MsoNormal>Es liegt also an Dietls Präzisionsarbeit, dass in seinen Filmen oder Fernsehserien alle Schauspieler so gut sind wie nie vorher oder nachher in ihrer Karriere?<BR>Bleibtreu: Klar. Mit diesem mittelmäßigen "Wird schon gehen", was sich immer mal einschleicht, kommt man bei ihm nicht durch. Man fühlt sich plötzlich ziemlich nackt vor einem Mann, der jede kleinste Unsauberkeit im Spiel, die 85 Prozent aller Regisseure gar nicht bemerken würden, sofort sieht. Man kann absolut nichts verstecken. Irgendein Kollege hat mal gesagt, Dietl sei der TÜV für die Schauspieler. Wenn man mit ihm gearbeitet hat, weiß man nachher wieder, wo man eigentlich steht. Ich bin inzwischen seit 15 Jahren in diesem Beruf, aber ich kam mir manchmal vor wie im ersten Jahr auf der Schauspielschule.</P><P class=MsoNormal>Sie erwähnten einmal, in einem Liebesfilm mitzuspielen, interessiere Sie eher weniger.<BR>Bleibtreu: Ja, das ist auch immer noch wahr.</P><P class=MsoNormal>Wenn "Vom Suchen und Finden der Liebe" kein Beziehungsfilm ist, was ist dann ein Beziehungsfilm?<BR>Bleibtreu: Wenn ich nur Filme drehen würde, die ich auch selbst im Kino ansehen will, könnte ich vielleicht alle vier Jahre einen Film machen. Ich begreife mich als Schauspieler in erster Linie als Mittel für jemanden, seine Geschichte zu erzählen. Ich bin das Werkzeug. Wenn ich nur in Filmen mitspiele, die hundertprozentig mit meinem eigenen Geschmack deckungsgleich sind, müsste ich selbst Bücher schreiben und Regie führen. Außerdem ist mein Lieblingsgenre der Thriller. Und die werden nun mal im deutschen Kino am seltensten produziert.</P><P class=MsoNormal>Fernsehen nicht, Liebesfilme am liebsten auch nicht, wie sieht's mit Theater aus? Wäre das vielleicht eine Option für die Zukunft?<BR>Bleibtreu: Prinzipiell interessiert mich das schon. Aber es hat mich nie wirklich gefangen, obwohl ich ja praktisch im Theater aufgewachsen bin. Im Moment habe ich das Gefühl, dass das Theater eine Institution ist, die sich nicht mehr an die Menschen auf der Straße richtet. Ich denke, Theater sind die Bretter, die die Welt bedeuten. Also sollten diese Bretter auch etwas mit der Welt außerhalb des Theaters zu tun haben. Eine so vielfältige Theaterszene wie in England oder den USA fasziniert mich schon. Albee, Ayckburn, Mamet, Shepard da kann man ständig miterleben, was die sich aus dem Alltag herausgesammelt haben. Das sind tolle Stücke! Das geht mich was an! </P><P class=MsoNormal>Das Gespräch führte Ulrike Frick</P>

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