Wertvoller Kindskopf

- Mit dem erfolgreichen Bühnenautor Sir James Matthew Barrie (Johnny Depp) geht es bergab. Seine letzten Theaterstücke wurden gnadenlos verrissen. Auf der Suche nach Inspiration streunt der Schriftsteller durch die Londoner Grünanlagen. Dort begegnet er der jungen Witwe Sylvia Davies (Kate Winslet) und ihren vier Söhnen. Schnell freundet sich Barrie mit der unkonventionellen Mutter und ihren liebreizend-frechen Sprösslingen an. Während er in Sylvia eine Seelenpartnerin findet, kann er mit den Jungs all die Streiche ausprobieren, die ihm in seiner Kindheit verboten wurden.

<P>Immer häufiger werden die Treffen, und in Gedanken erobern Barrie, Sylvia und die Kinder fremde Welten voller Piraten, Cowboys, Feen und Zwergen. Aus diesen Spielen und Erzählungen schöpft der Autor Ideen für ein neues Theaterstück namens "Peter Pan". Der Autor sprudelt vor Einfällen fast über - aber das Leben macht ihm einen Strich durch die Rechnung: Seine zänkische Frau verlangt von ihm, den Kontakt zur Familie Davies sofort einzustellen, und zusätzlich erkrankt Sylvia schwer.<BR><BR>Hübsch eingewickelt in das bunt und kostbar glänzende Papier einer Hollywood-Großproduktion für die ganze Familie, mit viel Kostüm, Glitter und Gefühl versehen, steht im Zentrum des aufwändigen "Wenn Träume fliegen lernen" ein Thema von immenser Bedeutung: das Verhältnis von Fantasie und Realitätsverweigerung. Opulent ausgestattet und elegant in Szene gesetzt, geht Regisseur Marc Forster ("Monster's Ball") in seiner fiktiven Biografie von James M. Barrie der Frage nach: Ist es wirklich notwendig, beim Übergang vom Kindes- ins Erwachsenenalter der Vorstellungskraft gänzlich zu entsagen? Barrie selbst, von dem der Satz überliefert ist, "Nichts, was passiert, nachdem wir zwölf sind, ist wirklich von Bedeutung", hat sich Zeit seines Lebens geweigert, auf seine Träume zu verzichten. <BR><BR>Forster konstruiert ausgehend von dieser Charaktereigenschaft nun ein Drama, das den Kindskopf zwingt, Positionen zu beziehen und sich erwachsen zu verhalten. Anfangs wider Willen, später mit ebenso viel Feuereifer wie beim Indianerspielen. Natürlich hat sich das Leben Barries nicht so abgespielt. Und auch sonst sollte man in "Wenn Träume fliegen lernen" nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Schließlich dreht sich alles um die magische Kraft der Imagination, die im fortschreitenden Alter immer weiter verkümmert. Mit seinem poetischen, feinsinnigen Spielfilm animiert Forster sein Publikum, sich im Herzen ein Stück dieser kindlichen Gabe zu bewahren allen Anfeindungen, Schwierigkeiten und Alltagsnöten zum Trotz. <BR><BR>(In München: Mathäser, Maxx, Royal, Atlantis und Cinema i. O., Kino Solln, Filmeck Gräfelfing.)<BR><BR>"Wenn Träume fliegen lernen"<BR>Johnny Depp, Kate Winslet, Dustin Hoffman, Julie Christie<BR>Regie: Marc Forster<BR>Sehenswert </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trailer zu „Why him?“: Nicht gesellschaftsfähig
München - John Hamburgs „Why him?“ variiert fantasielos das Duell Schwiegervater-Schwiegersohn.
Trailer zu „Why him?“: Nicht gesellschaftsfähig
„Hell or High Water“: Kein Land für arme Schlucker
München - „Hell or High Water“ ist ein höllisch unterhaltsames Katz-und-Maus-Spiel im modernen Wilden Westen.
„Hell or High Water“: Kein Land für arme Schlucker
„Bob, der Streuner“: Der Junkie hat einen Kater
München - Roger Spottiswoode verfilmte den Bestseller „Bob, der Streuner“ angenehm kitschfrei.
„Bob, der Streuner“: Der Junkie hat einen Kater
Kritik zum Kinofilm „La La Land“: Hinreißende Liebeserklärung
München - „La La Land“ ist eine gesungene und getanzte Liebeserklärung an das Leben, die Leidenschaft und Los Angeles.
Kritik zum Kinofilm „La La Land“: Hinreißende Liebeserklärung

Kommentare