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Der Einzige, der den Präsidenten retten kann: John Cale (l., Channing Tatum) bewirbt sich als Bodyguard für Staatschef James Sawyer (Jamie Foxx) und gerät mitten in einen terroristischen Angriff auf das Weiße Haus.

Merkur-Film der Woche

„White House Down“: Mit Größenwahn zum Weltfrieden

München - Roland Emmerichs Film „White House Down“ setzt immer noch eins drauf, bis hin zur Absurdität – Spaß macht der Actionfilm aber trotzdem.

Sechs Wochen hat das Töchterlein Flaggenschwenken geübt, für die Talentschau in der Schule. Und dann verpasst Daddy den Auftritt. Er zweifelt eh, dass Flaggenschwenken ein großes Talent sei. Die nächsten Stunden sollen ihn eines Besseren belehren: Mit Fahnenwedeln lässt sich sogar die Welt retten.

„White House Down“ beginnt mit einem Plastikmodell des Weißen Hauses in einer Schneekugel – und das ist Programm: Roland Emmerichs neuester Kino-Apocalypso erinnert an die Zeit, als Blockbuster noch eine Art öffentliches, spaßgesteuertes Spielzeug waren, für filmverrückte Buben wie ihn, Lucas, Spielberg. Im Mittelpunkt des Films steht – wie öfters bei Emmerich – ein Mann, der seine von ihm getrennt lebende Familie zurückerobern will. Hier ist es der Kriegsveteran Cale (Channing Tatum), der sich um einen Job als Präsidenten-Bodyguard bewirbt. Und dazu seine politikvernarrte Tochter Emily (Joey King) mit ins Weiße Haus nimmt, um sie zu beeindrucken.

Letzteres Plansoll wird übererfüllt: Just an dem Tag kapern rechte Terroristen den Präsidenten-Wohnsitz – und Cale ist der Einzige, der das Staatsoberhaupt (Jamie Foxx als Quasi-Obama) retten kann. „White House Down“ ist freilich ein absurder, alberner, maßloser Film: Aber Emmerich weiß das so gut wie wir, und von Anfang an schließt er einen Pakt mit dem Publikum, jetzt gut zwei Stunden gemeinsam so zu tun, als wäre alles ernst gemeint. Das macht ungleich mehr Freude als eine offene Parodie. Die Maxime ist „Wollt Ihr noch? Könnt Ihr noch?“. Im Großen wie im Kleinen setzt der Film immer noch eins drauf – von der Sprengung des Kapitols (Emmerich arbeitet Washingtons Sehenswürdigkeiten ab...) über den Präsidenten, der die Brille aufsetzt, bevor er erstmals selbst den MG-Abzug drückt, bis zum Limousinenverfolgungs-Ringelreihen auf dem Rasen des Weißen Hauses. Die Drehbuchmechanik ist dabei erstaunlich klassisch-solide gearbeitet, der Dialogwitz ungewohnt leichtfüßig (und von Channing Tatums selbstironischem Charme profitierend), die Nebenrollen von großen Charakter-Haudegen wie James Woods und Richard Jenkins beseelt. Der Vergleich drängt sich auf mit Wolfgang Petersens üblem „Airforce One“, doch „White House Down“ hat nichts von dessen Verbissenheit und konservativem Pathos. Emmerichs US-Patriotismus war schon immer spielerisch-opportunistisch, und hier überspitzt er die politische Spaltung des Lands in ein Action-Märchen mit einem idealisierten Obama als bodenständigem Messias und den rechten Kräften (Republikaner, Politradio-Moderatoren, paranoide Milizen) als halb dämonische, halb clowneske Bösewichte.

Die Terroristen schleichen sich ins Weiße Haus als Technik-Team getarnt ein – vorgeblich, um das Privatkino des Präsidenten aufzurüsten. Kino als Ort der Gefahr, der Subversion? Das ist „White House Down“ gewiss nicht. Aber man kann sich doch einem Film ergeben, der so hinreißend größenwahnsinnig ist, dass er’s zum Happy End nicht unter dem Weltfrieden macht. (In München: Mathäser, Cinemaxx, Royal, Gloria Premium Palast, Münchner Freiheit, Cadillac, Cinema, Museum Lichtspiele.

Thomas Willmann

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