Wieder auf Männerfang

- Wer kennt das nicht: Man lebt in einer jungen Beziehung, und irgendwoher schleicht sich Misstrauen ein. Kleine Gesten werden plötzlich anders gedeutet, man traut dem anderen nicht mehr ganz und beginnt hinter ihm herzuspionieren. Wenn es so weit ist, kann man sich fast schon wieder trennen.

<P>Dies ist der Stand der Dinge, wenn der Film einsetzt: Bridget Jones (Renée Zellweger), aus Helen Fieldings Romanen und dem vor drei Jahren überaus erfolgreichen Film "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück" wohlbekannte Heldin der durchschnittlichen, über 30-jährigen Single-Frau, ist zwar mit Lover und Menschenrechtsanwalt Mark Darcy (Colin Firth) liiert, aber die Sache läuft nicht so recht. Als schließlich noch ein gemeinsamer Ski-Urlaub komplett missglückt, trennt man sich.<BR><BR>Ungefähr zu gleichen Zeit taucht Ex-Chef und Ex-Angebeteter Daniel Cleaver (Hugh Grant) wieder auf. Als Arbeitskollege von Bridget Jones gibt es genug Gelegenheit zum Flirt, erst recht, als beide für eine Reportage gemeinsam nach Thailand reisen. Und ewig grüßt das Murmeltier - Bridget Jones ist wieder da: jung, weiblich, mollig, wunderbar unperfekt, außer im sicheren Auffinden aller möglichen Fettnäpfchen. Renée Zellweger spielt sie mit dem gleichen Charme und selbstironischen Humor wie im ersten Film. Trotzdem hat sich etwas geändert.<BR><BR>"Bridget Jones - Am Rande des Wahnsinns" wirkt spätestens in seiner zweiten Hälfte gar nicht wahnsinnig, sondern arg brav, so, als ob man den größten Teil des Pulvers, das in diesem Stoff liegt, im ersten Teil schon verschossen hätte. Viele Witze sind immer noch sehr gut, auch mit einem gehörigen Schuss britischen Anarchismus gewürzt, der an keiner Autorität ein gutes Haar lässt, egal ob es gegen das "Thatcher-Milieu" geht oder die britische Erziehungsinstitution Eaton. Aber die Abstände zwischen ihnen werden immer länger, und statt gebannt hinzusehen, ertappt man sich dabei, im Dunkeln nach der Uhr zu suchen. War der erste Teil ein Meisterstück der Gegenwartskomödie, ist der zweite nur in jenen Szenen wirklich brillant, in denen Hugh Grant auf der Leinwand ist. Grant spielt den ekelig reizvollen Don Juan hervorragend wie alle seine Rollen; gegen ihn wirkt Colin Firth wie ein blasser Langweiler.<BR><BR>Vielleicht hat alles eine sehr einfache Ursache: Im ersten Teil hieß der Auftaktsong nicht ohne Grund "All by myself", während es im zweiten das wunderschöne Spät-70er-Lied "Lovin' you" von Minnie Ripperton ist. Die Perspektiven der Hauptfigur haben sich geändert. War sie im ersten Teil noch ein selbstbewusster Single, der Männer zwar gern fürs Bett hat, sich ansonsten aber von einer festen Partnerschaft ebenso gestört wie bereichert fühlt, ist Bridget Jones im zweiten Teil zum armen Weibchen geschrumpft, das erst eifersüchtig, später notgeil und liebeskrank vor allem Männer und hier wieder den einen im Kopf hat. Gerade das bei aller Selbstkritik grundsätzliche Mit-sich-im-Reinen-sein unterscheidet Bridget Jones von den vielen quengeligen, traurigen Heldinnen anderer Romane. <BR><BR>Und auch die Männer, zwischen denen sie stand, waren beide gleichermaßen nicht perfekt, sodass man bis zum Schluss unsicher sein durfte, wer das Rennen macht. Diesmal sind nun die Gewichte und Sympathien weitaus klarer verteilt. Doch auch der zweite Teil ist immer noch eine witzige Komödie - allemal gut für einen Ausgehabend mit Freundinnen oder dem neuesten Date. <BR><BR>(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Filmcasino, Münchner Freiheit, Cadillac, Rio, Rex, Arena, Autokino, Sendlinger Tor, Kino Solln, Cinema und Museumslichtspiele i. O.)<BR>"Bridget Jones - Am Rande des Wahnsinns"<BR>mit Renée Zellweger, Colin Firth, Hugh Grant<BR>Regie: Beeban Kidron<BR>Sehenswert <BR></P>

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