Großalarm in Hamburg nach Explosion an S-Bahnhof

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Willkommen in der Nachkriegszeit

- "Papas Kino ist tot!" Ungefähr zur gleichen Zeit, 1962, als sich unter diesem Slogan der deutsche Film neu erschuf, rollte die Wallace-Welle - und strafte den Slogan Lügen. Drei Jahre zuvor hatte mit Harald Reinls "Der Frosch mit der Maske", dem ersten von 32 Wallace-Verfilmungen, die erfolgreichste deutsche Filmreihe aller Zeiten begonnen. Mit ihr imaginierte sich das Wirtschaftswunderland in eine andere Traumwelt als in den zeitgleich entstandenen Winnetou-Filmen. Im Gegensatz zu jenen trug sie noch ein paar visuelle Lumpen des Expressionismus und des Film Noir, in ihren schwarzweißen Schattenspielen ebenso wie in den Gangstercharakteren.

<P>All das, die frühen Träume von einem "reinen" Unterhaltungskino, aber auch die naive Hoffnung auf eine populäre Mythologie, die sich aus Geschichte und Heimat herauslöst, muss in den Blick geraten, wenn nun die Wallace-Filme zum Gegenstand einer Parodie werden.</P><P>Hutler als Butler<BR><BR>"Der Wixxer" gelingt und unterhält, wenn auch in denkbar bescheidenem Rahmen. Die Story ist das Unwichtigste und dient nur als Vorwand für ein halbwegs flottes Spiel mit dem Wallace-Touch. Handlungsklischees, vertraute Requisiten und Inszenierung sorgen für nostalgischen Wiedererkennungswert. Das Rezept: Man lehnt sich stark ans Vorbild an, zugleich wird dieses veralbert, was das Zeug hält. Geringes Budget wie darstellerische Schwächen gelten als charmant, weil "der Film sich ja nicht ernst nimmt".<BR><BR>Regie führte Tobi Baumann, das Buch stammt von Oliver Kalkofe und Bastian Pastewka, die die beiden Hauptrollen übernahmen. Auch der Rest des Ensembles besteht aus den üblichen Verdächtigen der Comedy-Landschaft: Anke Engelke und Olli Dittrich sowie einigen Altstars wie dem 60-jährigen Thomas Fritsch. Der spielt den Earl of Cockwood, den ersten Schurken, der auf "Blackwhite-Castle" sinistre Pläne hegt, es allerdings bald mit dem zweiten, dem titelgebenden "Wixxer" zu tun bekommt, einen Serienmörder, der es auf Gangster abgesehen hat.<BR><BR>Einziger Zweck des Ganzen sind Retro-"Kult" und Parodie. Manche Gags zünden prächtig, auch gibt es allerlei Kino-Anspielungen. Insofern erfüllt "Der Wixxer" seinen Unterhaltungszweck recht unangestrengt. Ganz überzeugend spielt er auch mit der Absurdität, die fast allen Wallace-Plots innewohnt: ob es kuriose Mordinstrumente sind oder die an den Haaren herbeigezogenen Leiden der britischen Aristokratie. Doch es dominieren eher sanfte Scherze - mit Abstürzen ins Geschmacklose. Dagegen sucht man alles Subversive, jede Ironie, allen komödiantischen Biss vergebens. Man kann darin auch ein Indiz sehen, dass sich unsere Zeit zurückentwickelt in die Infantilismen der Nachkriegsära - ohne ihr Peinlichkeitsempfinden. Dazu passt die Figur des Butlers Hutler, die auch, vom Schnauzbart abgesehen, vor Anspielungen auf den "Führer" nur so strotzt. Und so ersteht Papas Kino wieder einmal auf. Als Farce. </P><P>(In München: Mathäser, Maxx, Gloria.)<BR><BR>"Der Wixxer"<BR>mit Oliver Kalkofe, Bastian Pastewka, Thomas Fritsch<BR>Regie: Tobi Baumann<BR>Annehmbar </P>

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