Der Film der Woche

Neues aus Niederkaltenkirchen

Ungewöhnliche Todesfälle suchen das idyllische Dörfchen Niederkaltenkirchen heim und dann taucht auch noch eine Fremde auf. Dorfsheriff Franz Eberhofer und seine Kumpel nehmen die Ermittlungen auf. Die Kritik:

Diese bedauernswerten Neuhofers sterben an den seltsamsten Dingen: Der Vater ist Elektroinstallateur und erleidet ausgerechnet einen Starkstromschlag. Dem Sohn Hans kracht ein Container auf den Dickschädel. Die Mutter erhängt sich im Schneetreiben im Wald, nur mit Pantoffeln und Morgenrock bekleidet. Dafür fährt der übrig gebliebene Sprössling bald mit einem funkelnagelneuen Sportwagen durchs Dorf. Hat er dafür seine Familie beseitigt?

Im bayerischen Niederkaltenkirchen, das weiß der geneigte Kinogänger seit „Dampfnudelblues“, sterben die Leute gerne einen ungewöhnlichen Tod. Das fiktive Dörfchen in der Nähe von Landshut ist Schauplatz aller Kriminalromane von Rita Falk. „Erfunden und trotzdem tausendfach vorhanden“, erklärte es die Autorin selbst einmal treffend.

Der etwas träge, durchgehend genervte Provinzbulle mit Faible für Rockmusik, der Stammtisch, der Metzger, der Heizungsmonteur, die Sekretärin aus dem Nebenzimmer – man kennt sich und hasst einander, und das ist eigentlich noch viel inniger als Liebe. In diese Provinzidylle, in der Vorurteile und Klischees immer als Orientierungshilfe dienen, stöckelt eines Tages die geheimnisvolle Mercedes (Jeanette Hain), Erbin einer seit Ewigkeiten leer stehenden Villa am Ort. Sie beziehungsweise ihr Pudel verschulden dann das Ableben des letzten Neuhofers. Kann das noch Zufall sein, wie Eberhofers Chef (Sigi Zimmerschied) vermutet? Dorfsheriff Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) und sein Kumpel Rudi Birkenberger, Ex-Kollege, Ex-Kaufhausdetektiv und jetzt Privatschnüffler, nehmen Witterung auf und beginnen auf üblich unorthodoxe Weise mit den Ermittlungen.

Wie auch Rita Falk in ihren Büchern erfindet Ed Herzog den Provinzkrimi in seinem zweiten Film, der auf dem ersten Falk-Roman basiert, nicht neu. Die erfolgreichsten Versatzstücke des Genres finden sich hier wieder. Die schrulligen Typen mit liebenswerten Ecken und Kanten, das herandrängende Fremde, gegen das man sich bauernschlau behaupten muss, das Böse im vermeintlich biederen Nachbarn – das kennt man mittlerweile aus vielen Heimatkrimis.

Doch was Ed Herzog, der auch „Dampfnudelblues“ inszeniert hatte, aus diesen Vorgaben zaubert, kann sich sehen lassen. Viele Bilder und Regieeinfälle (unter anderem die Gesangseinlage des Heizungsmonteurs) passen mit ihrem lakonischen Witz hervorragend, der Ton des großen Ganzen stimmt. Manchmal hat „Winterkartoffelknödel“ sogar etwas regelrecht Subversives, auch wenn nicht alle Gags gleich gut funktionieren und manche Figuren auf bloße Karikaturen reduziert werden.

„Winterkartoffelknödel“

mit Sebastian Bezzel

Regie: Ed Herzog

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Dampfnudelblues“ oder „Komm, süßer Tod“ mochten.

von Ulrike Frick

Rubriklistenbild: © Snacktv

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