Eva Mendes spielt in „Last Night“ eine Femme fatale. Der Film läuft heute in den Kinos an. Foto: Verleih

„Wir alle flirten ja ab und zu“

München - Bekannt wurde Eva Mendes mit Hauptrollen in Filmen wie „2 Fast 2 Furious", „Hitch - Der Date-Doktor" und „The Women". Witz, Charme und Schlagfertigkeit bewies der 36-jährige Star in unserem Interview beim Filmfestival von Marrakesch, wo sie „Last Night" präsentierte.

-Sie geben sich auf der Leinwand oft sehr freizügig. Stimmt es, dass Sie ursprünglich Nonne werden wollten?

Ja. Keine Ahnung, warum, aber zwischen meinem fünften und zehnten Lebensjahr war das meine feste Absicht. Ich bin in einer sehr armen Familie aufgewachsen, und mit zehn sagte ich zu meiner Mutter: „Wenn ich groß bin, kaufe ich dir ein Haus.“ Da meinte meine ältere Schwester: „Evi, wie soll das denn gehen? Eine Nonne bekommt doch kein Geld!“ Und ich rief völlig entsetzt: „Was?? Nonnen werden für ihre Arbeit nicht bezahlt?“ Daraufhin wollte ich Opernsängerin werden. Meine Liebe zur Schauspielerei ist erst viel später entflammt.

-Gab es Vorbilder?

Ich war schon immer ein riesengroßer Fan von Romy Schneider. Nie werde ich vergessen, wie ich als Mädchen zum ersten Mal „Der Swimmingpool“ gesehen habe: Die Szene, in der Alain Delon mit einem Zweig den Rücken von Romy Schneider streichelt - das war das Erotischste, was mir je untergekommen war. So etwas wollte ich auch einmal erleben!

-Was hätten Sie getan, wenn das mit der Schauspielkarriere nicht geklappt hätte?

Dann wäre ich vermutlich Innenarchitektin geworden. Eigentlich hätte ich gern Architektur studiert, doch dazu bin ich wohl nicht intelligent genug - für diesen Beruf muss man ja ein halber Mathematiker sein. Aber Architektur und Design sind eine große Leidenschaft von mir. Kürzlich war ich in Barcelona, um mich an den Bauten von Antoni Gaudí zu berauschen.

-War es für Sie als Tochter kubanischer Eltern schwer, in Hollywood Fuß zu fassen?

Frauen haben es ohnehin nicht leicht im Filmbusiness: Hollywood ist nach wie vor eine Männerdomäne. Und für eine Latina ist es doppelt schwer, sich durchzusetzen. Wenn ich mich für eine Rolle bewarb, bekam ich oft zu hören: „Sorry, aber wir suchen für diese Filmfigur keine Lateinamerikanerin!“ Dabei leben in den USA unzählige Latinos - die sind in Hollywoodfilmen noch immer völlig unterrepräsentiert. Dasselbe gilt übrigens für Schwarze, Indianer und Asiaten.

-Immerhin durften Sie im vergangenen Jahr mit einem der berühmtesten deutschen Regisseure arbeiten: Werner Herzog hat mit Ihnen „Bad Lieutenant“ gedreht.

Seit vielen Jahren hatte ich davon geträumt, mal mit Herrn Herzog zu filmen. Die Erfahrung war allerdings nicht so verrückt, wie ich es mir erhofft hatte. Jeder kennt doch diese legendären Geschichten, in denen Werner Herzog einen Schuh verspeist. Ich war schon sehr gespannt, was er wohl mit mir alles anstellen würde - ich dachte, mindestens eine Nahtod-Erfahrung müsste für mich herausspringen. Pustekuchen! Herr Herzog war ganz zahm, ruhig und entspannt.

-In Ihrem neuen Film „Last Night“ spielen Sie eine Femme fatale.

Sie ist ein Freigeist, eine interessante Frau, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt - aber auch ein Mensch mit Schwächen und Narben auf der Seele. Ich liebe solche zwiespältigen Rollen. Im US-amerikanischen Kino gibt es viel zu wenig gebrochene Frauenfiguren. „Last Night“ ist ein provokantes, lebensnahes Beziehungsdrama. Es geht um Treue und Verlockung, um die Konsequenzen unserer kleinen Fehltritte - also um etwas, was jeden von uns betrifft. Denn wir alle flirten ja ab und zu gerne.

-Ihre Leinwand-Partner in „Last Night“ sind Guillaume Canet und Sam Worthington. Haben Sie mit denen auch geflirtet?

O mein Gott: Guillaume Canet! Dieses zuckersüße Gesicht! Diese reizende Art! Er ist einfach zum Anbeißen. Und es wird nie öde mit ihm. Das ist mir sehr wichtig, weil ich mich normalerweise ziemlich schnell langweile. Abgesehen davon ist Guillaume nicht nur ein hervorragender Schauspieler, sondern auch ein verdammt guter Regisseur.

-„Last Night“ wurde von einer Frau geschrieben und inszeniert.

Großartig! Wir brauchen unbedingt mehr Frauen auf dem Regiestuhl! Es wird höchste Zeit, dass sich die Stimmen der Frauen in Hollywood mehr Gehör verschaffen. Immerhin scheint sich langsam etwas zu ändern: Kathryn Bigelow hat den Regie-Oscar gewonnen und damit viele Kolleginnen ermutigt. Angelina Jolie hat einen Spielfilm inszeniert. Ich übrigens auch: einen 20-minütigen Kurzfilm. Er heißt „California Romanza“.

- Was sind Ihre Träume?

Ich würde wahnsinnig gern mal Maria Callas verkörpern. Dabei interessiert mich nicht so sehr ihr Operndiva-Dasein, sondern ihr schillerndes Privatleben - vor allem ihre Beziehung zu Aristoteles Onassis finde ich faszinierend. Außerdem träume ich seit Jahren davon, mal mit Pedro Almodóvar zu drehen.

Das Gespräch führte

Marco Schmidt.

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