Von Wölfen aller Art

- Wo Wes Craven draufsteht, ist nicht immer auch Wes Craven drin. Der unbestrittene Meister des Horrorfilms ("Scream") hat sich von dem Film offen distanziert, der jetzt unter seinem Namen ins Kino kommt und dessen Titel "Verflucht" wohl auch eine recht treffende Beschreibung der desaströsen Entstehungsgeschichte liefert.

Obwohl Craven von den Produzenten, dem in dieser Hinsicht berüchtigten Brüderpaar Weinstein, das Werk aus der Hand genommen wurde, ist es kein schlechter Film. Vielmehr sieht man dem Ergebnis immer noch den speziellen Craven-Touch an: jene einmalige Mischung aus elementaren Schock-Momenten und ironischer Reflexion des Genres, aus Ernst und Witz. Nur wirkt "Verflucht" als Ganzes so disparat wie ein Puzzle, aus dem einige Teile auf Nimmerwiedersehen verschwunden sind.Mit "Verflucht" wendet sich Craven dem klassischen Werwolfthema zu. Eines Nachts wird das Geschwisterpaar Ellie (Christina Ricci) und Jimmy (Jesse Eisenberg) auf seinem Heimweg in Los Angeles von einem Wolf gestreift, ja, gekratzt. Beim nächsten Vollmond werden sie nicht gleich zu Werwölfen, doch entwickeln sie ungeahnte Fähigkeiten, neue Kräfte und plötzlichen Sex-Appeal. Vor allem der pubertierende Jimmy erlebt eine Persönlichkeitswandlung: Er wird selbstbewusster und nimmt es noch mit den übelsten Burschen in seiner Schule auf. Und Ellie arbeitet in der Medienwelt, einem Ort, der - mit solchen Ideen spielt der Film - allemal schon seit jeher von Wölfen aller Art beherrscht ist . . .Schnell, mit viel Witz wird erzählt. Auch Horrorelemente gibt es nicht zu knapp: absurde Verwandlungen von Menschen in Wölfe, eine Dame ohne Unterleib, Köpfe, die per Spaten abgehackt werden, Kameraeinstellungen aus der Wolfsperspektive. In seinen besten Momenten gelingt "Verflucht" eine Reflexion des Genres. Besonders gefallen dabei jene Szenen, in denen sich Alltag und Horror mischen, etwa wenn Schüler zum Frühstück plötzlich rohes Fleisch verzehren oder Blut schnüffeln.Das Allerbeste ist aber Hauptdarstellerin Christina Ricci. In jeder Sekunde versprüht sie Spannung, bleibt sie für Überraschungen gut. In einem ihrer wunderbarsten Momente leckt sie genüsslich Blut von ihrer Hand. Oder es spiegelt sich auf ihrem Gesicht der innere Kampf zwischen Mensch und Tier.

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