Wohlfeile Betroffenheit

- Ein vermessener Titel. Wer mit Nietzsche beginnt, nimmt Maß an einem Olympier. "Gott ist tot", klagt der tolle Mensch in "Also sprach Zarathustra", "wir Menschen haben ihn umgebracht". Darin würde ihm wohl auch der Kölner Filmemacher Kadir Sözen folgen. Allerdings mit dem Unterschied, dass er sich nicht weiter um die Gedanken des Philosophen schert, sondern mit seiner aus der Mode geratenen Sentenz lediglich eine fade Kölner Milieugeschichte covern will. Eine Mogelpackung also. Denn die Geschichte um einen heruntergekommenen Schlosser (Götz George) platzt vor Moralin. Zwei Söhne hat der Sozialhilfeempfänger Heinrich, einen behinderten, Günni (Bastian Trost), und einen schlitzohrigen, Mike (Markus Knüfken).

<P>Da nach den Regeln des Unterhaltungsmarktes die Darstellung elender Lebensbedingungen nur als Drama halbwegs akzeptabel ist, bleiben tragische Wendungen nicht aus. Schwer erträglich wird das Ganze allerdings erst durch das ungebremste Chargieren der Darsteller, die dem mit viel Lokalkolorit angereicherten Stoff das letzte Quäntchen Authentizität austreiben. </P><P>Der Fall des rechtschaffenden Heinrich, den die beamtete Willkür in eine Kohlhaas-Figur verwandelt, beschreibt damit zwar die übliche Spannungskurve, ist vom Anspruch des Titels aber so weit entfernt wie ein Straßenmusikant, der Beethovens Neunte intoniert. "Gott ist tot" verlangt mehr als wohlfeile Betroffenheit. </P><P>- läuft hier im Kino<BR><BR>"Gott ist tot"<BR>mit Götz George, Markus Knüfken<BR>Regie: Kadir Sözen<BR>Unerträglich </P><P> </P>

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