Ich wünsche mir den Kinozauber zurück

- Andreas Ströhl, Jahrgang 1962, ist neuer Leiter des Münchner Filmfests und tritt damit - 2003 noch im Team mit Hauff - 2004 die Nachfolge von Eberhard Hauff an. Ströhl studierte in München Literatur- und Theaterwissenschaft sowie Amerikanistik - "alles Fächer, in denen man sich gut mit Film beschäftigen kann". Am Prager Goethe-Institut war er von 1991 bis 1997, beschäftigte sich dort unter anderem mit dem Werk des Medientheoretikers Vilém Flusser.

<P>Seit 1997 ist Ströhl der für Film zuständige Referent des Instituts. Er drehte auch selbst einen Film: die Dokumentation "Herberts Hellas" über ein Treffen der Regisseure Herbert Achternbusch und Aki Kaurismäki. Beim 51. Filmfestival Mannheim-Heidelberg, das gerade zu Ende ging, nahm Ströhl an einer Konferenz über Filmkunst-Vermarktung teil. Dort - die Münchner Entscheidung war noch nicht bekannt - war Gelegenheit, mit Ströhl zu sprechen. <BR><BR>Welches war für Sie der beste deutsche Film des vergangenen Jahres? <BR><BR>Ströhl: Christian Petzolds "Toter Mann", der fürs Fernsehen gedreht wurde. Das Bild des Auslands von uns ist übrigens ein anderes als unser eigenes. Peter Lilienthal oder Harun Farocki und Hartmut Bitomsky - sie sind alle im Ausland bekannter als hier. Ob ein Film in Deutschland erfolgreich ist, ist mir wurscht. Der einzige Maßstab ist Qualität. Die ganze Komödienwelle der 90er war zum Beispiel fürs Ausland überhaupt nicht interessant. Ich versuche, intellektuelle, künstlerische, ästhetische Anreize zu bieten. Im internationalen Vergleich sind eigenwillige Filme viel spannender als diejenigen, die Hollywood nachahmen. <BR><BR>Was kann man für das Kino tun, wenn man Filme vertritt, ein Festival leitet? <BR><BR>Ströhl: Es ist die Kunst der Vermittler, Bedürfnisse des Publikums mit Neuem in Verbindung zu bringen, also auch Bedürfnisse erst zu schaffen. Man muss versuchen, Leute dazu zu bewegen, sich anderes anzuschauen. Dazu muss man die Klischees durchbrechen. Der alte Kinozauber ist weg, ich wünsche ihn mir zurück. Ich sehe da auch Hoffnung. Es gibt wieder erfolgreiche, intelligente Komödien - wenn auch noch nicht in Deutschland. Ältere Leute gehen wieder mehr ins Kino. Dieses Gemeinschaftserlebnis kann nur das Kino bieten, das Kollektive, Verschwörerische . . . <BR><BR>Was macht den Reiz eines guten Filmfestivals aus? <BR><BR>Ströhl: Originalität und Unterscheidbarkeit. Wenn Festivals alle das Gleiche zu bieten hätten, wären sie belanglos. An Mannheim ist reizvoll, dass es ein echter Branchentreff ist. Und man zeigt Filme, die nicht so gängig sind. Schon vor Jahren sah ich hier Werke aus dem Baltikum. <BR>Als Leiter der Filmabteilung des Goethe-Instituts mussten Sie sich bisher vor allem auf deutsche Filme konzentrieren. <BR><BR>Wie können Sie Ihre Arbeit charakterisieren? <BR><BR>Ströhl: Wir sind im Kontakt mit Kinematheken, Festivals, Hochschulen . . Wir informieren, beraten, stellen Filmpakete zusammen, Retrospektiven, Workshops. Meine Aufgabe ist, ein Scharnier zu sein, die deutsche Szene zu beobachten und darüber zu informieren, Vertreter für diejenigen zu sein, die draußen die eigentliche Arbeit machen. <BR></P><P>Das Gespräch führte  Rüdiger Suchsland <BR></P>

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