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Szene aus „You Are Wanted“ mit Matthias Schweighöfer.

Erste eigenproduzierte deutsche Serie

„You are wanted“ - so funktioniert Streaming bei Amazon

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München - Freitag startet mit „You Are Wanted“ die erste vom Streaming-Riesen Amazon eigenproduzierte deutsche Serie. Für uns ein Anlass, Ihnen regelmäßig die wichtigsten Vertreter des neuen Fernsehens, ihre besten Serien und die technischen Voraussetzungen vorzustellen. Heute: Amazon.

Update vom 24. Mai 2017: Amazon hat sein Sortiment in Deutschland um die Amazon Channels erweitert. Dabei handelt es sich um ein Pay-TV-Angebot des US-amerikanischen Online-Versandhändlers. Alle Infos dazu gibt es hier.

Fernsehen, wann und wo ich es will – der Zuschauer, das zeigen zahlreiche Umfragen, hat sich längst aus dem starren Korsett des klassischen Programmschemas befreit. Immer beliebter werden stattdessen Streaming-Dienste wie Amazon Prime Video und Netflix, aber auch Videoportale und Mediatheken locken ihr Publikum mit maximaler Flexibilität. In Sachen Kreativität und Innovation haben die Konkurrenten des linearen Fernsehens ohnehin die Nase vorn.

: Darum geht es

Stellen Sie sich vor, jemand klaut Ihre ­Daten, wählt sich in Ihr Handy ein, hackt ­Ihren Computer. Was, wenn dieser Jemand dieses Wissen dazu nutzt, Ihr Leben umzuschreiben und Sie damit erpressbar zu machen? Ein Albtraum. Einer, aus dem der ­Hotelmanager Lukas Franke (überzeugend gespielt von Matthias Schweighöfer) im Hacker-Thriller You Are Wanted vergeblich zu erwachen versucht. Gefälschte Banküberweisungen, manipulierte Videoaufnahmen und gefakte Bombenbaupläne führen schnell dazu, dass der Unschuldige plötzlich ganz oben auf der Fahndungsliste des BKA steht. Die Beweislast ist erdrückend: Alle Versuche, die Sache mit den Behörden zu klären, scheitern. Franke wird erpresst, seine Familie bedroht. Das Einzige, was ihm bleibt, ist die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

You Are Wanted ist die erste deutsche Serien-Eigenproduktion von Amazon. Eine, die sich sehen lassen kann. Als Hauptdarsteller, Produzent und Regisseur liefert Matthias Schweighöfer eine Serie ab, die es mit der amerikanischen Konkurrenz aufnehmen kann. Klar, ein paar Klischees sind auch dabei: Die BKA-Beamten kennen sich im Hacker-Milieu noch weniger aus als die eigene Großmutter, und der fiese Identitätsdieb lauert in jedem noch so kleinen Kiosk. Packend ist dieser sehr hochwertig gefilmte und auf den Punkt inszenierte Sechsteiler, der ab Freitag bei Amazon abrufbar ist, aber allemal.

Und so funktioniert‘s!

Was bietet Amazon Video? Der Versandhändler hat sein Film- und Serienangebot unübersichtlich gestaltet. Der Dachbegriff „Amazon Video“ steht für den gesamten Bereich mit rund 25.000 Videos. Das wichtigste Angebot für die Kunden ist „Amazon Prime“ (amazon.de). Das ist das Abo für neuerdings 69 Euro im Jahr, das neben 1 800 Filmen und 400 Serien auch Gratisversand für viele Artikel, eine Musikflatrate, unbegrenzten Speicherplatz für Fotos im Internet oder Zugriff auf die Kindle-Leihbibliothek bietet. Bei „Amazon Prime“ sind unter anderem viele tolle Eigenproduktionen inklusive (siehe Tipps unten). Doch das ist nur ein relativ kleiner Teil des Amazon-Videoangebots. Für den Großteil der Inhalte zahlen Sie extra. Wenn Sie den eigenwilligen Produkt-Mischmasch von „Amazon Prime“ nicht abonnieren wollen, gibt es „Prime Video“ auch einzeln für 8 Euro im Monat oder 96 Euro im Jahr. Hier ist das Angebot größer, Amazon spricht von 12.000 Filmen und Episoden. Weil dieses Abo im Vergleich zu „Amazon Prime“ deutlich mehr kostet, aber alle Zusatzleistungen wegfallen, ist es für die wenigsten Kunden ­interessant. Wer bei Amazon Videos sehen will, sollte also auf das normale „Prime“-Abo setzen.

Wie sehen die Kosten genau aus? Im Februar ist der Preis fürs Jahresabo von „Amazon Prime“ von 49 auf 69 Euro gestiegen. Diesen Preis zahlen Neukunden, und er gilt auch für Verlängerungen ab 1. Juli 2017. Wenn sich Ihr Abo noch davor turnusmäßig verlängert, zahlen Sie ein letztes Mal 49 Euro. Die Filme und Serien, die nicht in „Prime“ inbegriffen sind, können Sie leihen oder kaufen. Beim Ausleihen haben Sie meist 30 Tage Zeit, um das Video zu starten – und dann 48 Stunden, um es zu Ende zu sehen. Ein Filmhit wie Findet Dorie in HD kostet zum Ausleihen 5 Euro und zum Kauf 14 Euro. Für den Kauf einer Serie wie der zweiten Lucifer-Staffel zahlen Sie 3 Euro pro Folge oder 35 Euro für die gesamte Staffel. Ältere Inhalte sind deutlich günstiger, Filme können Sie schon ab 99 Cent ausleihen.

Wie kann ich Amazon Video sehen? Die Filme und Serien laufen auf (fast) jedem internetfähigen Gerät. Am PC und Mac genügt der Browser. Für iPhone und iPad gibt es die Amazon-Video-App. Auf Android-Geräten müssen Sie ein wenig tricksen, denn hier bietet Amazon die Video-App nur auf Umwegen an. Wie das funktioniert, erklärt Amazon hier: bit.ly/android-tipp. Auf vielen Smart-TVs gibt es Amazon Video als App, genau wie auf den aktuellen Spielkonsolen. Amazon selbst verkauft für den Fernseher den Fire TV Stick (40 Euro) und die Fire TV Box (90 Euro). Wichtigster Unterschied: Die Box bietet auch Inhalte in der ex­trem scharfen neuen 4K-Bildqualität. Amazons Fire-Tablets (ab 60 Euro) unterstützen die Videos ebenfalls. Nur auf dem Apple TV fehlt die App, weil Amazon die Konkurrenz nicht noch stärken will. Aber hier können Sie die Filme und Serien mit iPhone oder iPad aufrufen, und von dort drahtlos aufs Apple TV übertragen.

Weitere Serienhighlights von Amazon Prime

„Hand of God“

Eigentlich glaubt Pernell Harris (Ron Perlman) nur an seine eigene Macht. Als korrupter Richter Maximum beugt er schon mal das Gesetz und hält auch sonst die Fäden im kalifornischen San Vincente in seiner Hand. Doch die Vergewaltigung seiner Schwiegertochter und der versuchte Suizid seines Sohnes, der nach einem Schuss in den Kopf im Koma liegt, werfen ihn aus der Bahn. Pernell hat Halluzinationen – oder sind es Eingebungen? Er glaubt, dass sein Sohn erwachen wird, wenn es ihm gelingt, das Verbrechen an seiner Schwiegertochter aufzuklären. Gottes Hand, da ist sich Harris sicher, schickt ihm Visionen, um ihm den Weg zu weisen. Der Beginn eines atemlosen Rachefeldzugs. Die düstere Serie entwickelt in ihrer Dramatik eine große Sogwirkung und schickt den Zuschauer in ein Szenario aus Wahn und Wirklichkeit. Nach Staffel eins hat der Streaming-Dienst jetzt auch die Fortsetzung im Angebot.

„Goliath“

Die Kneipe ist sein zweites Wohnzimmer, ein schäbiges Motel sein Zuhause. Der abgehalfterte Rechtsanwalt Billy McBride ist eigentlich mit dem Leben fertig. Die Ehe futsch, die Karriere dem ­Alkohol geopfert. Da bittet ihn eine hartnäckige Klientin um Hilfe: McBride soll den Tod ihres Bruders aufklären, der ihrer Meinung nach bei einem Bombentest ­gestorben ist. Erst widerwillig, dann mit wachsendem Enthusiasmus legt sich der desillusionierte Anwalt mit dem Rüstungsriesen BornsTech und der Großkanzlei an, die er einst mitgegründet hat. Billy Bob Thornton spielt den gescheiterten Anwalt mit Hingabe und Charisma. Man möchte diesem Typen, der mit seinem zerbeulten Ford Mustang über die Highways brettert, ewig zuschauen. Amazon hat die Fortsetzung der Serie bestätigt.

„Sneaky Pete“

Marius (Giovanni Ribisi, links auf dem foto) ist ein ­genialer Trickbetrüger. Smart, clever, seinen Mitmenschen immer um ein paar Gedankenzüge voraus. Nur sein letzter großer Coup, bei dem er den Casino­besitzer Vincent (Breaking Bad-Ikone Bryan Cranston, r.)) linken wollte, ging in die Hose. Um Leib und Leben zu retten, bleibt Marius nur die Flucht ins Gefängnis. Nach einem vorgetäuschten Banküberfall landet der Hochstapler im Knast, wo ihn Zellengenosse Pete mit Schilderungen seiner idyllischen Kindheit auf dem Land nervt. Als Marius entlassen wird, muss er feststellen, dass Vincent immer noch hinter ihm her ist. Also nimmt er kurzerhand die Identität seines Knastbruders an, überzeugt als falscher ­Pete sogar dessen Familie und baut ein großartiges Lügenkonstrukt auf.

Jörg Heinrich

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