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Und sie lieben sich doch: Queen Victoria (Emily Blunt) und ihr fescher Prinz Albert von Sachsen-Coburg, den Rupert Friend spielt.

„Young Victoria“: Flegeljahre einer Königin

Regisseur Jean-Marc Vallée hat mit „Young Victoria“ einen etwas anderen Historienfilm gedreht. Sehen Sie hier den Trailer und die Filmkritik zum Kinostart:

Man kennt sie, diese Kostümschinken: Da werden in kitschtriefenden Bildern die zentralen Stationen einer königlichen Biografie durchgehechelt – Geburt, Hochzeit, Krönung, Tod. Schöne Menschen promenieren in royalen Roben, dinieren in dekadenten Dekors und sondern süßlich-seichte Schmonzetten-Sätze ab. Aber bei „Young Victoria“ ist alles ein bisschen anders.

Das beginnt beim klugen Drehbuch, das sich auf eine kurze, aber entscheidende Periode im Leben von Queen Victoria beschränkt, die 63 Jahre lang regierte und im hohen Alter als melancholische, miesmuffelige Matrone bekannt war: Wir sehen, wie sie vom trotzigen Teenie zu einer emanzipierten Persönlichkeit reift. Und wir erleben, dass die Mädchenjahre einer Königin kein Ponyhof sind.

Im zarten Alter von 18 Jahren besteigt die lebensfrohe Victoria 1837 den englischen Thron. Fiese Familienmitglieder und falsche Freunde versuchen, die unerfahrene Frau in einen goldenen Käfig zu sperren. Aus Gründen der Staatsraison soll sie mit ihrem Cousin, dem Prinzen Albert von Sachsen-Coburg, verkuppelt werden. Oh Wunder: Als die beiden sich kennenlernen, verlieben sie sich tatsächlich. Doch Intrigen und politische Machtkämpfe bedrohen das junge Glück der romantischen, rebellischen Regentin und ihres geistreichen, großherzigen Gatten.

Die wunderbare Emily Blunt („Der Teufel trägt Prada“) interpretiert die Titelrolle als kecken, bisweilen zickigen Dickkopf zwischen jugendlichem Überschwang und zunehmender Ernsthaftigkeit – und wurde dafür zu Recht mit einer Golden-Globe-Nominierung belohnt. Die Chemie stimmt zwischen ihr und Prinz Albert in Gestalt des feschen, talentierten Rupert Friend, der jüngst Michelle Pfeiffer in „Chéri“ bezirzte. Daneben überzeugt der charismatische Paul Bettany („Ritter aus Leidenschaft“) als zwielichtiger Lord Melbourne, der auch auf die flotte Queen scharf ist.

Ja, auch dieser Historienfilm schwelgt in opulenter Ausstattung – für die Kostüme gab es sogar einen Oscar. Aber Regisseur Jean-Marc Vallée, zuletzt mit Preisen überschüttet für seine Außenseiter-Dramödie „C.R.A.Z.Y.“, lässt sich von den vielen Korsagen nicht einschnüren: Er setzt auf originelle Bilder, flotte Schnitte und psychologische Stimmigkeit. Im Mittelpunkt stehen bei ihm stets die komplexen Charaktere, die sich fesselnde Dialog-Duelle liefern – jedes Wort ein Degenstich, jeder Blick ein Giftpfeil. So kommen Rosamunde-Pilcher-Fans ebenso auf ihre Kosten wie Freunde intelligenter Unterhaltung. Ein Glücksfall!

von Marco Schmidt

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