Film der Woche

"Yves Saint Laurent": Zum Dahinschmelzen schön

Berlin - Es ist eine Hommage an die Liebe, die Mode und eine besondere Beziehung. Pierre Niney brilliert als „Yves Saint Laurent“. Unsere Filmkritik

Wer könnte bei diesem Anblick nicht dahinschmelzen? Yves Saint Laurents Entwürfe sind Meisterwerke. Stück für Stück. Von taillenkurzen, bunt gepunkteten Bolero-Jacken über den schwarzen, geradlinigen, revolutionären Damen-Smoking (!) bis hin zu – der Krönung, dem Klassiker, dem Designobjekt, das heute als stilprägend im Museum hängt: dem Mondrian-Kleid.

Das alles sehen wir stilvoll ausgeleuchtet in diesem durch und durch französischen Film, den man am besten im Original anschauen sollte. Eingebettet in eine Geschichte, die nicht weniger bedeutend ist: die von der großen Liebe zwischen Laurent und seinem langjährigen Lebens- und immerwährenden Geschäftspartner Pierre Bergé (Guillaume Gallienne). Genau das hat Regisseur Jalil Lespert Kritik eingebracht: Indem er Bergé mit in den Fokus stellt und aus dessen Sicht Laurents Wirken erzählt, komme die tatsächliche Sensation – Yves’ enormer Einfluss auf die Entwicklung der weltweiten Mode, sein Genie, seine Brillanz – zu kurz.

Veto! Gerade, indem wir als Zuschauer Bergés Perspektive einnehmen, kommen wir ganz nah heran an Yves Saint Laurent, diesen ein wenig verhuschten, zerbrechlichen Mann, den Hauptdarsteller Pierre Niney so brillant verkörpert. Wenn er mit einem schüchternen Lächeln in Momenten der Verunsicherung seine Brille nach oben auf die Nase schiebt, oder in aller Eile am Ende einer Schau über den Laufsteg hastet und sich dabei sichtlich unbehaglich fühlt, dann ist das meisterhaft nah am echten Laurent. Manchmal scheint es gar, als sei er es tatsächlich.

Hier werden zwei gewürdigt, die einander wesentlich geprägt haben. Und wer sagt, die Würdigung des großen Modeschöpfers komme dabei zu kurz, der missbilligt letztlich den Anteil, den sein Lebensgefährte an all dem gehabt hat. Er, der in vielen Interviews darüber berichtet hat, wie er dem manisch-depressiven Künstler den Rücken frei gehalten und alle Geschäfte geführt hat, ist nicht weniger bewundernswert. Zumal er sich nie vorwurfsvoll oder verbittert äußert, sondern mit dem steten Ausdruck unerschütterlicher Liebe zu einem Mann, der nicht immer einfach aber umso genialer war. Das ist berührend, traurig, witzig, charmant – und vor allem: dank Orignalkostümen zum Dahinschmelzen schön.

Katja Kraft

Rubriklistenbild: © SquareOne/Universum Film/dpa

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