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Brav sein – das ist nichts für Bären und Bayern. Ted, der Manieren-freie Teddy, sitzt in der Badewanne und flucht. Das kann er – auch auf Bairisch. 

Neue Synchronisation der erfolgreichen US-Komödie

Zefix, jetzt flucht Ted auf Bairisch!

Ted ist ein Teddy und hat keine Manieren – dafür aber einen besten Menschen-Freund. Der Film hat die Kino-Hitlisten erobert. Jetzt gibt es die Komödie auf Bairisch.

Da sitzt dieser pelzige Prolet in der Wanne, überall Schaum, er hat ein Handy am Ohr. Ted, der Bär, flucht mal wieder. „Zefix, du muast kemma!“ Jawohl, sein Kumpel John soll gefälligst dabei sein bei der Mega-Party, die in der Teddybären-Bude am Start ist. Frauen, Alkohol, Drogen. „Des werd da Hammer.“ Zefix.

Es gibt kein in Stein gemeißeltes Gesetz, das besagt, dass Fluchen auf Bairisch einfach am allerbesten funktioniert. Her doch auf, Kruzifix, mi leckst am Arsch. Ist halt aber so: Der Bayer schimpft am schönsten. Hollywood kann das nicht wissen, Hauptdarsteller Mark Wahlberg auch nicht – das bayerische Kinopublikum schon. Seit Donnerstag läuft der Kino-Kassenschlager „Ted“ nun auch im Dialekt. Die Filmemacher haben Synchronsprecher Ian Odle noch einmal ins Studio geschickt. Jetzt ist Ted, der laufende Fell-Meter mit ausgeprägtem Hang zur ungesunden Lebensweise, ein Bayer. Vielmehr: „I bin a emigrierter Bayer“, sagt Ted. Ein Bayer in Boston. Es ist die Geschichte des vulgärsten Teddybären aller Zeiten.

Der triebgesteuerte Ted kifft, säuft, rülpst und bestellt sich schon mal vier Huren zum Spieleabend. Sein bester Freund ist John (Mark Wahlberg), ein ewig kindischer Mittdreißiger, der sich das Plüschtier als Bub lebendig gewünscht hat. Das Problem ist: Johns große Liebe Lori (Mila Kunis) hat die Schnauze gestrichen voll – sie erträgt die Eskapaden der beiden Kumpels nicht mehr. Das klingt schwer nach Disney-Romanze für Erwachsene. Der Film ist aber eine wunderbar schwarze Komödie ohne Tabus – das bisserl Romantik stört (fast) nicht.

Aber wie funktioniert die Sache mit dem Dialekt? Synchronsprecher Odle ist ein deutschsprachiger US-Amerikaner, bayerische Wurzeln sind nicht überliefert. Er hat gleich drei Versionen eingesprochen: Hochdeutsch, Berlinerisch und eben Bairisch. Einer für alle? Was verdächtig nach Dialekt aus der Konserve klingt, hört sich im Film richtig echt an. Schließt man die Augen, wenn der Proleten-Bär „Schau hoid ned so damisch“, „De Weiber aus Boston san einfach greisliger, so kaasig“ oder „Is des ned pfundig?“ sagt – man könnte meinen, man sitzt in einem Rosenmüller-Film. Ein paar Schnitzer sind drin, ganz selten klingt’s nach Beckenbauer-Bairisch. Wurscht, das kommt im besten Bogner vor.

Meistens ist es richtig schön: Freilich rollt Ted zum Beispiel das „R“ – und wie. Es langt schon zum Schmunzeln, wenn er mitten in der amerikanischen Großstadt zu einem Typen namens Brrradey „Griasde“ sagt oder Sängerin Norrrah Jones anschmachtet. Er ist eine Flirtmaschine, dieser Ted, ein bayerischer Casanova mit Plüschohren: Er klimpert mit den schwarzen Knopfaugen, sagt „Mei, du schaugst sowas von guad aus“ und die Sache mit seinem Haserl Tami-Lynn ist geritzt, vielmehr der Kaas is bissn.

Sensible Gemüter brauchen nicht anfangen, beim „Zefix“ mitzuzählen und bei jedem „Scheißdreck“ zusammenzuzucken. Der Bayer kann halt derb, wenn er darf, der Bär sowieso. Teds Versuch, mit Anzug, Bewerbungsgespräch und festem Job seriös zu werden, scheitert zum Glück: „I schaug aus wie der Steuerberater von dem Depp auf der Dosenmuich“ – brav sein, das ist nichts für Bären und Bayern.

Die Sprüche machen Spaß, wurscht ob auf Hochdeutsch oder auf Bairisch. Aber so oft kommt es nicht vor, dass ein Bayer den Hollywood-Stars die Leviten liest. Und wenn’s ein Bär ist. Ted hat’s drauf. Zefix.

Carina Lechner

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