Kleines Budget und großartige Darsteller

"Zeit der Kannibalen" - ein mitreißendes Lehrstück

Berlin - Kleines Budget und großartige Darsteller zaubern aus "Zeit der Kannibalen" eine genial-böse Komödie über Unternehmensberater.

Die Unternehmensberater Kai Niederländer (Sebastian Blomberg) und Frank Öllers (Devid Striesow) arbeiten seit Jahren für die „Company“. In einer hermetisch abgeschotteten Parallelwelt der immer gleichen Luxushotelzimmer rund um den Erdball kalkulieren sie Tabellen, schmieden Pläne und lästern über die Kollegen. Das Leben spielt sich zwischen Meetings, Massagen und Telefonaten mit der Familie in der fernen Heimat ab.

Ihr Zynismus weicht jedoch blanker Panik, als ihnen ohne Vorwarnung die neue Kollegin Bianca (Katharina Schüttler) zur Seite gestellt wird. Was will diese Frau mit ihrer zur Schau gestellten Menschenfreundlichkeit? Spitzelt sie und meldet ihre Beobachtungen an die Zentrale? Bohrende Zweifel schleichen sich in die teflonbeschichteten Existenzen. Die Nachricht, ihr früherer Kollege Hellinger wurde befördert, verursacht ebenso große Verstörung wie die später überbrachte Botschaft, eben jener Hellinger habe sich umgebracht. Der hatte doch ausgesorgt!

Man sieht der bösen Komödie von Johannes Naber an, dass ihm nur ein geringes Budget zur Verfügung stand. Umso bewundernswerter ist es, was der Regisseur und seine exzellenten Darsteller aus dieser Not gezaubert haben. Blomberg, Striesow und Schüttler überzeichnen manchmal stark, halten ihre Figuren aber immer so realistisch, dass sie glaubwürdig bleiben. Dank des ausgefeilten Drehbuchs von Stefan Weigl, dem präzisen Spiel der Akteure und Nabers raffinierter Figurenführung gerät das eher schematisch beginnende Kammerspiel zu einem stimmigen, intelligenten und gleichzeitig schnell mitreißenden Lehrstück über Moral und Menschlichkeit.

ulf

Rubriklistenbild: © Farbfilm/dpa

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