Zeit zu verlieren

- Die Idee ist nicht neu, funktioniert aber noch immer: Durch ein Versehen glaubt die unauffällige Georgia (Star-Komikerin Queen Latifah), unheilbar krank zu sein. Die wenigen Wochen, die ihr bleiben, nutzt sie rigoros, um erstmals richtig zu leben. 1950 gelang Alec Guiness mit dieser Geschichte der Durchbruch, auch für Queen Latifah könnte es der Startschuss für eine große Karriere werden. Bislang wurde sie vornehmlich als schwarze Wuchtbrumme besetzt, die derben Mutterwitz versprüht. In "Noch einmal Ferien" überrascht sie mit der nuancierten und zurückgenommenen Darstellung einer Frau, die ihre letzte Chance zu leben nützt.

Vor allem in der ersten Hälfte, wenn sie als Georgia wie ein geprügelter Hund durch ihre durchschnittliche Existenz schleicht, zeigt sie umwerfendes Talent. Als unscheinbare Verkäuferin, die es immer allen recht machen will und dabei selber auf der Strecke bleibt, zeigt sie eine bisher unbekannte, verletzliche Seite, die den mitunter etwas burlesken zweiten Teil des Films trotz aller Volten glaubwürdig erscheinen lässt. Denn als ein Hirntumor diagnostiziert wird, dreht Georgia hemmungslos auf. Sie hat nichts mehr zu verlieren außer Zeit und beschließt, ihr gesamtes Erspartes in einem tschechischen Luxus-Hotel auf den Kopf zu hauen.

Und dort geschieht etwas Bemerkenswertes: Georgias lebensbejahendes Auftreten steckt an, und aus der grauen Maus wird der bewunderte Mittelpunkt der gehobenen Gesellschaft. Dabei macht sie nichts anderes, als einfach das zu tun und zu sagen, wonach ihr gerade ist. Wayne Wang inszeniert das mit viel Sympathie für seine Heldin und nutzt dabei die Gelegenheit, über die hohlen Lebensentwürfe der neureichen Elite herzuziehen. Aber er ist klug genug, Klischees zu vermeiden. Jeder Charakter, selbst der intrigante Spielverderber (Timothy Hutton mit einem schönen Auftritt) entwickelt sich im Laufe des Films und ist nicht nur Stichwortgeber.

Das Geheimnis der Butter

Der aufrichtige Optimismus macht diesen Film so besonders. Wang vermittelt seine ebenso einfache wie positive Botschaft (Lebe!) clever über den Umweg des Kochens. Während die noblen Gäste über Kalorien und neue Diätpläne sinnieren, haut Georgia rein, was das Zeug hält. Der sagenumwobene Sterne-Koch Didier (Gé´rard Depardieu), der am Schlankheitswahn der fitten Genussbanausen zu verzweifeln droht, hat endlich eine Seelenverwandte gefunden und enthüllt ihr das Geheimnis des Lebens: Butter.

Depardieu, der seit Jahren kaum mehr tut, als sein Gesicht vor die Kamera zu halten, blüht hier sichtlich auf. Die Szenen, in denen er mit Queen Latifah über Essen, Geschmack und das Leben als solches philosophiert, gehören zu den Höhepunkten des Films. Am Ende sind alle geläutert und genießen das Leben. Ein Märchen natürlich, aber ein schönes. (In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Museum i.O.)

"Noch einmal Ferien"

mit Queen Latifah, Gérard Depardieu

Regie: Wayne Wang

Sehenswert

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