Tee und Zen-Buddhismus

- Yokohama 1876: Tom Cruise spielt Nathan Algren, einen US-Captain, der in den Indianerkriegen kämpfte und nun als traumatisierter Trinker Ausbilder der kaiserlichen Armee in Japan ist. Diese befindet sich im Bürgerkrieg mit den Samurai, die zwar ohne Feuerwaffen kämpfen, der Armee aber durch Todesmut und Taktik haushoch überlegen sind. Algren wird bald vom Samurai-Führer Katsumoto gefangen genommen und in die Berge verschleppt, wo dieser seinen "neuen Feind kennen lernen" will.

<P>Diese Gestalt des Katsumoto und die Darstellung der Rebellion orientieren sich grob an tatsächlichen Geschehnissen. 1876/77 kam es zum blutigsten Konflikt, den Japan in mehr als zwei Jahrhunderten erlebt hatte. </P><P>Nach actionreichem Auftakt zeigt "Last Samurai" sensibel und ohne allzu viele Zugeständnisse an die Hollywood-Dramaturgie die allmähliche Annährung des Amerikaners an seine Bewacher. Durch Zen-Philosophie, Kampftechnik, viel Tee und noch mehr Spaziergänge an frischer Luft findet Algren wieder zu sich. Er lehrt nicht, sondern er lernt - Neugier auf und Achtung vor einer fremden, zunächst schwer verständlichen Welt. Man kann auch andere aktuelle Parallelen ziehen: Gewiss sind die Samurai "fundamentalistisch". Regisseur Edward Zwick zeichnet ein harmonisierendes Bild ihrer Kultur und des alten japanischen Landlebens; Schattenseiten bleiben weitgehend unsichtbar. Umso kritischer geht der Film mit den USA um. In Albträumen, die Algren plagen, und Dialogen erinnert Zwick an Vernichtungskriege gegen die Indianer. Schonungslos zeigt der Film auch den Zynismus der US-Waffenhändler und Diplomaten in. </P><P>"Last Samurai" bietet wunderbares Kino. Die Inszenierung der Kampfszenen bleibt aber immer westlich. Zwick gelingen hochemotionale, bewegende Bilder, bezwingend im Hin und Her zwischen Ruhe und Dynamik. Man kann über manche Aspekte der Story streiten, die sowohl reaktionäre wie liberale Lesarten zulässt. Aber zweifellos begegnet Zwick der japanischen Kultur mit Offenheit und Sympathie. Damit wächst sein Film über sich selbst hinaus und wird repräsentativ für einen allgemeinen Trend: Dem neuen Interesse Hollywoods an Fernost, der Hinwendung zum pazifischen Westen - ob im Stil von "Kill Bill", ob in "Lost in Translation". </P><P>"Last Samurai" geht einen dritten Weg - er ist schön, ernst und so klug, wie Mainstreamkino sein kann. (In München: Mathäser, Maxx, Royal, Gloria, Karlstor, Leopold, Cadillac, Rio, Sendlinger Tor, Museum und Cinema i. O., Gabriel, Marmorhaus.)<BR><BR>"Last Samurai"<BR>mit Tom Cruise, Billy Connolly<BR>Regie: Edward Zwick<BR>Hervorragend </P>

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