Zerschmettertes Glück

- In einer Sekunde kann sich ein Leben entscheiden. Das mag für sich genommen eine fade Erkenntnis sein, doch wenn sie einem so vorgeführt wird wie hier, geht sie nahe. Diesmal ist es ein kurzes Versäumnis, das zu einem Unfall führt. Das Glück eines jungen Paares, das eben noch verliebt seine Zukunft plante, zerschmettert blitzschnell auf der Kühlerhaube. Denn jetzt liegt der junge Mann vom Kopf ab gelähmt im Krankenhaus.

<P>Verzweifelt verstößt er die Freundin, und die - in einem Hollywood-Film wäre dies tabu - verliebt sich nach kurzer Zeit neu; ausgerechnet in den verheirateten Arzt, der sie in den ersten Stunden nach dem Unglück so rührend betreute. Das war durch schlechtes Gewissen motiviert, denn seine Frau fuhr den Unglückswagen. Ein melodramatischer Plot, der sich liest, wie für ein schwaches Fernsehspiel an den Haaren herbeigezogen. Doch in den Händen der dänischen Regisseurin Susanne Bier wird daraus großes Drama, dezent und klug in Szene gesetzt, dabei voller Sensibilität für Situationen und Charaktere, unprätentiösem Alltagsrealismus, mit bittersüßem Humor.</P><P>Wie sonst nur in französischen Filmen halten sich die Beiläufigkeit der Normalität und zwingender Ernst die Waage. Auch "Open Hearts" ist ein Film, der nach den Regeln von Lars von Triers Dogma-Manifest von 1995 entstand. Doch die technischen Zwänge dieser Selbstbeschränkung prägen nur den Look. "Open Hearts" wäre aber auch mit konventionellen Mitteln ein unkonventioneller, spannender, in vielem überdurchschnittlicher Film geworden. Denn es ist das genaue Hinsehen auf scheinbar Bekanntes, nicht die Wackelkamera, die diesen humanen Film über die Implosion einer äußerlich glücklichen Familie in seiner Heimat zu einem der erfolgreichsten gemacht hat. Weil er Substanz hat, ist "Open Hearts" ein Kunstwerk geworden, in dem sich viele wiederfinden können. (In München: City, Leopold.)</P><P>"Open Hearts"<BR>mit Mads Mikkelsen, Sonja Richter, Nikolaj Lie Kaas<BR>Regie: Susanne Bier<BR>Hervorragend <BR></P>

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