Zornige Wasserhähne

- Alte Häuser haben Charakter. Sie ächzen im Wind, die Türen und Treppen knarzen, vergilbte Wände verleihen ihnen einen besonderen Teint. Sie haben ihre Macken - aber gerade die machen sie liebenswert. Genau so ein Haus steht im Mittelpunkt von Christine Nöstlingers Jugendroman "Villa Henriette", den Peter Payer nach dem Drehbuch von Milan Dor verfilmt hat.

Doch der Charakter dieser Villa ist weit ausgeprägter als bei normalen Häusern: Henriette hat nicht nur einen eigenen Willen, den sie mittels heruntersausenden Rollos oder streikenden Wasserhähnen deutlich kundtut. Sie kann sogar sprechen - doch nur die zwölfjährige Marie vermag sie zu hören.

Mit viel Fantasie führt Payer in ein Panoptikum skurriler Figuren, die gemeinsam unter dem Dach Henriettes hausen: Neben der pfiffigen Marie (Hannah Tiefengraber), ihrem arbeitslosen Vater (Lars Rudolph) und ihrer karriereorientierten Mutter (Nina Petri) leben dort eine vergeistigte Tante, ein fauler Cousin, ein vom Hexenschuss geplagter Großonkel und vor allem die eigenwillige Großmutter Maries (Cornelia Froboess), die mit ihren unsinnigen Erfindungen von sprechenden Kühlschränken bis hin zu mit Mist betriebenen Autos das gesamte Kapital und somit auch die Villa selbst aufs Spiel setzt.

Payer mutet seinen (jungen) Zuschauern dabei einiges zu. Jenseits vom seichten Kinderkino erzählt er in poetischen bis befremdlichen Bildern von den Sorgen und Nöten Maries, die nicht nur um ihr geliebtes Zuhause kämpfen muss, sondern auch zum ersten Mal zwischen zwei Jungs steht, die beide Gefühle für sie hegen. Manchmal verirrt der Regisseur sich dabei in all zu kunstvollen Szenerien, die die Handlung in die Länge ziehen.

Doch die eindrucksvollen Schauspieler, allen voran Cornelia Froboess und Hannah Tiefengraber als unschlagbares Oma-Enkel-Team, liebevoll inszenierte Details und nicht zuletzt die herbe Stimme Nina Hagens als sprechende Villa machen diese schwachen Momente um so stärker wieder wett.

"Villa Henriette"mit Cornelia Froboess, HannahTiefengraber, Nina PetriRegie: Peter PayerSehenswert

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