Kritik, Bilder und Trailer zum Kinostart von "Illuminati"

Regisseur Ron Howard hat den vor hanebüchenen Heldentaten berstenden Thriller "Illuminati" von Dan Brown zur spannenden Schnitzeljagd verarbeitet und klug auf das Stilmittel der Reduktion gesetzt. Exzellent ausgearbeitetes Popcorn-Kino.

Der Papst ist tot. Vier potenzielle Nachfolger wurden entführt, und irgendwo im Vatikanstaat ist hochexplosive Antimaterie versteckt – du lieber Himmel! Die Gemüter der italienischen Polizisten und der Schweizer Garde sind so erhitzt, dass nur noch einer helfen kann: Robert Langdon (Tom Hanks), Symbologie-Professor aus Nordamerika, Mitgliedschaften bei Opus Dei oder den finsteren Illuminaten unverdächtig.

Zwischen den Gegensätzen Wissenschaft und Kirche, Fortschritt und Tradition hat Autor Dan Brown seine Handlung aufgespannt. Regisseur Ron Howard hat den vor hanebüchenen Heldentaten Langdons berstenden Thriller zur spannenden Schnitzeljagd verarbeitet und klug auf das Stilmittel der Reduktion gesetzt. Im Film muss sich Hanks beispielsweise nicht aus einem explodierenden Hubschrauber werfen und auf ein Halstuch als Fallschirm vertrauen.

An den Haaren herbeigezogen ist dennoch einiges. Aber wer die Lektüre eines Dan Brown schätzt, weiß ohnehin, dass die im Buch diskutierten Fakten mit der historischen Wahrheit so viel gemein haben wie das Votum der DSDS-Jury mit dem tatsächlichen Sangestalent eines Kandidaten. Der Geheimbund der Illuminati will sich mit der Entführung von vier Kardinälen und deren baldiger Ermordung für die bereits 1668 erlittenen Gräuel rächen. Und weil das allein nicht genügt, gibt’s als zeitgemäßes Zuckerl noch die Drohung obendrauf, den gesamten Vatikanstaat zu pulverisieren. Mittels zuvor aus einem Schweizer Labor entwendeter Antimaterie.

Bilder aus dem Film "Illuminati - Angels and Demons"

Bilder aus dem neuen Illuminati-Film

Selbstverständlich steckt da noch etwas anderes dahinter, und der unserem Bundeswirtschaftsminister nicht unähnliche Attentäter ist gar nicht der Strippenzieher in dieser effektvollen Hatz auf die christlichen Bösewichter. Wenn die Logik bei den zahlreichen Verfolgungsjagden ein wenig auf der Strecke bleibt, macht das dank Ron Howards umsichtiger Regie fast nichts. Die enorme zeitliche und räumliche Verdichtung lässt den Zuschauer kaum Luft holen, zum Nachdenken bleibt hier absolut keine Zeit. Hanks und Team rennen atemlos von einem Schauplatz zum nächsten, auf dem Weg im Auto schnell die aktuellen Ergebnisse besprechend. Das ist klassische Thriller-Manier und funktioniert auch diesmal bestens.

Glücklicherweise verschont uns Howard des Tempos wegen ab der Hälfte des Films mit Browns enervierenden Telekolleg-Lektionen und besinnt sich auf exzellent ausgearbeitetes Popcorn-Kino. Bernini, Da Vinci, Konklave, Teilchenbeschleuniger – pfeif drauf! Die Kamera fliegt durch den Raum, die Polizeiautos jagen über historisch bedeutsames römisches Kopfsteinpflaster, der Kardinalskiller mordet auf fantasievolle Weise, Hanks kämpft wie ein moderner Indiana Jones, und die Bombe soll um Mitternacht hoch gehen. Was will man mehr?

Ulrike Frick

Rubriklistenbild: © Sony Pictures

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