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Der Schüler Marty McFly (l., Michael J. Fox) und der Erfinder Dr. E. Brown (Christopher Lloyd), hier im ersten Teil von "Zurück in die Zukunft".

Heute landet der DeLorean

"Zurück in die Zukunft": Diese 2015-Prognosen traten ein

München - Fliegende Autos gibt es zwar noch nicht, aber wie sich die Macher des Kultfilms “Zurück in die Zukunft II” das Leben im Jahr 2015 vorstellten, kommt der Realität erstaunlich nah: der große Check.

Es ist der 21. Oktober 2015. Die Zukunft ist da und es gibt eine besondere Nachricht von Doc Brown:

Hört man auf die Worte des Autors Mark Twain, dann sollte man Voraussagen über die Zukunft unbedingt vermeiden. Zu große Irrtumswahrscheinlichkeit. Wie gut, dass es Science-Fiction-Verrückte gibt, die sich allen Zweifeln zum Trotz immer wieder zu Zukunftsszenarien hinreißen lassen.

Denn wenn man deren Werke Jahre später anschaut, dann ist das vor allem: ein Riesenspaß. Im Jahr 1989 reisten Marty McFly (Michael J. Fox) und Doc Brown (Christopher Lloyd) in einem umgebauten DeLorean-Sportwagen, ihrer Zeitmaschine, fröhlich von einem Jahrzehnt ins nächste. Und mit ihnen eine ganze Generation von Kinozuschauern, denen in Erinnerung an die Filmtrilogie „Zurück in die Zukunft“ sofort kultige Begriffe wie der „Fluxkompensator“ einfallen. Dieser spielt auch im zweiten Teil der Reihe eine Rolle, wird in diesem Film aber nicht mehr mit – eher schwierig aufzutreibendem – radioaktivem Plutonium betrieben, sondern mit Müll. Umgewandelt von einer Erfindung der Zukunft, dem „Mr. Fusion“. Aus Abfall mach’ Energie – willkommen im Jahr 2015!

Gut, dass sich Filmemacher in Mode-Fragen geirrt haben

In genau dieses Jahr reisen der Doc und sein Kompagnon nämlich in Robert Zemeckis’ Film. 21. Oktober 2015, 16:29 Uhr, blinkt in der Zeitanzeige des DeLorean auf. Der fährt nicht mehr, er fliegt jetzt. Denn wohin Marty und der durchgeknallte Wissenschaftler nun reisen, da braucht es keine Straßen. Da wird geschwebt. Wenn die Achtzigerjahre in die Zukunft fliegen, dann sieht das ziemlich nach den – Achtzigern aus. Silberne Helme auf den Köpfen, schrille Stofffarben – man darf dankbar sein, dass sich die Filmemacher zumindest in Sachen Mode geirrt haben.

Erfindungen aus "Zurück in die Zukunft" nah an unserer Realität

Ansonsten ist das, was Drehbuchautor Bob Gale ersonnen hat, in vielen Punkten schon ziemlich nahe an unserem Leben heute. Nun gut, wir benötigen Straßen, unsere Autos können nicht abheben. Und auch auf die Kleidung, die sich auf Knopfdruck automatisch an die Größe des Trägers anpasst, müssen wir noch warten. Die coolen Sportschuhe aber, die sich Marty anzieht, um noch mehr wie ein Teenager des Jahres 2015 auszusehen, gibt’s demnächst wirklich.

Schuhhersteller „Nike“ hat ein entsprechendes Patent eingereicht: bald können sich alle Schuhe mit selbstschließendem Schnürmechanismus kaufen. Aber man sollte nicht vergessen, auch stilecht die Hosentaschen aus der Jeans zu krempeln und über die Hose fallen zu lassen: Wer heute modisch sein will, der trägt das laut Drehbuch aus den Achtzigern so. Während die Technik-Welt von „Google Glass“ redet, jener Brille, die zugleich Mini- Computer ist und einem sämtliche Informationen über die Umgebung liefert, laufen auch in Zemeckis’ Film von 1989 die Leute mit Brillen herum, die aufleuchten, wenn das Telefon klingelt.

Wer keine Lust hat, via Brille mit dem Anrufer zu sprechen, der macht einfach seinen Flatscreen- Fernseher an, auf dem das Gegenüber live und in Farbe zu sehen ist. Was heute „Skype“ oder „FaceTime“ (sinngemäß: Gespräch von Angesicht zu Angesicht) heißt und so selbstverständlich ist wie einst die Wählscheibe – davon scheint man schon in den Achtzigern geträumt zu haben. Das gilt übrigens auch für die Idee, alles mit dem eigenen Fingerabdruck aktivieren zu können: Im Jahr 2015, in das Marty McFly reist, gibt es keine Türklinken mehr – wer sein Haus betreten möchte, legt den Daumen auf einen Sensor. Und wer bezahlt, der benötigt kein Bargeld oder keine Kreditkarte: Finger auf den Scanner und fertig. Auch das bieten heute bereits manche Firmen an.

Eine Debatte über Sicherheit und Vorratsdatenspeicherung kommt im Film erst gar nicht auf, weil das Rechtssystem ohnehin am Boden liegt. Hier wird Verbrechern innerhalb von zwei Stunden der Prozess gemacht. Warum? „Das Justizsystem der Zukunft arbeitet schnell, schließlich hat man alle Rechtsanwälte abgeschafft“, weiß Doc Brown. Schöne neue Welt?!

„Falten aufbügeln“, „Haare aufforsten“ – ist längst alles möglich

Noch eine andere Spielerei des Films könnte bald Realität werden: Zwei Ingenieure aus Kalifornien arbeiten an der Entwicklung des sogenannten Hoverboards, jenem fliegenden Skateboard, auf dem Marty im Film abhebt. Auch vom Hydrator, der aus einer Mini-Pizza sekundenschnell eine Mahlzeit für die ganze Familie macht, sind wir vielleicht gar nicht mehr so weit entfernt. Und die Verjüngungsklinik, in der sich der Doc generalüberholen lässt, ist ebenfalls keine Zukunftsvision mehr. „Falten aufbügeln“, „Haare aufforsten“ – ist längst alles möglich. Nur am Blutwechsel, der das Leben um 30 bis 40 Jahre verlängert, muss noch gearbeitet werden. Aber wer weiß – etwas Zeit hat die Wissenschaft ja noch. Bis zum 21. Oktober 2015, 16:29 Uhr. Die Zukunft naht.

Volltreffer

- Fernseher mit Flachbildschirmen: Eine unglaubliche Vorstellung für die Menschen der 80er Jahre, dass fast in jedem Wohnzimmer anstatt XXL-Glotzen daumenbreite Bildschirme an der Wand hängen.

- Videokonferenz-Technologie: Was vor 26 Jahren Science Fiction war, heißt heute Skype, Facetime und Snap Chat und wird von der iKid-Generation dem ordinären Telefonieren vorgezogen.

- Biometrische Erkennung: iPhone und Laptops kann man bereits per Fingerabdruck entsperren. Mit dem neuentwickelten Nymi Band können Türen per Herzschlag-Erkennung entriegelt werden.

- 3D-Technologie: Von Kinos, über Videospiele und selbst Comic-Books, wie in „Zurück in die Zukunft II“ scheint heute alles in 3D abzulaufen.

- Holografische Projektionen: Zwar springt (noch) kein Weißer Hai vom Kinowerbeplakat, aber Michael Jackson wurde als Hologramm auf der Bühne bereits wiederbelebt.

- Drohnen: Die Mini-Hubschrauber mit Kamera schwirren überall durch die Luft. Allerdings führen sie noch keine Hunde aus, wie im Film.

Bei diesen Erfindungen lag der Film daneben

- Verjüngungsmasken/Kliniken: Für viele Berufsjugendliche wäre es der heilige Gral, wenn sie wie „Doc Brown“ per Hauterneuerungs-Maske die Altersuhr 30 Jahre zurück drehen könnten.

- Hover Board: Bislang kann man nur auf Virtual Reality Konsolen mit Antischwerkraft-Skateboards durch die Gegend schwirren.

- Selbstschnürende Schuhe: Schuhbänder, die von alleine die Schleife machen, sind ein unerfüllter Traum von Kindergarten-Kids – und vielen gestressten Eltern.

- Genaue Wettervorhersage: Pünktlicher Regen, der „in vier Sekunden aufhört“, ist ein feuchter Traum für Meteorologen.

- Tankstellen mit Robotern: Tankwarte wurden nicht durch Roboter-Kollegen ersetzt, sondern durch die billigere Variante: Der Kunde muss selbst tanken.

- Fliegende Autos: Noch keine Spur von DeLoreans DM-12s in der Luft. So bleiben Autobahnen weiterhin verstopft.

"Marty McFy“ landete mit seiner Zeitmaschine am 21. Oktober 2015.

Katja Kraft/Dierk Sindermann

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