Zwei Fremdkörper im Schul-Alltag

München - Der "Half Nelson" ist eine Bezeichnung aus dem Wrestling. Grob gesagt, lässt sich die Position als "gewürgt werden" beschreiben. Nicht sehr angenehm also und für den Verlauf eines Kampfes ziemlich aussichtslos.

Genau darum passt dieser Titel so treffend auf den Antihelden dieses Films. Denn der, ein drogensüchtiger Lehrer, steckt ebenfalls in einer Situation, aus der es kein Entrinnen mehr geben wird, egal wie verzweifelt Dan (großartig: Ryan Gosling) auch strampelt.

Kokain und Crack und andere bewusstseinserweiternde Mittel, die er in die Finger bekommen kann, bereiten Dan ein erträgliches Dasein - und sind doch gleichzeitig Schuld an seinem steten Absturz.

Die üblicherweise nicht von großen Spannungsmomenten geprägte Biografie von einem, der sich langsam zugrunderichtet, hat Regisseur Ryan Fleck jedoch mit ein paar interessanten Zusatzelementen ausstaffiert - und sich damit eine Oscar-Nominierung verdient. Knapp und aufs Wesentliche reduziert, beschreibt er, wie Dan sich mit seiner Lieblingsschülerin Drey (Shareeka Epps) anfreundet.

Die 13-Jährige ist ebenso ein Fremdkörper im turbulenten Schulalltag wie er selbst, und die beiden Außenseiter klammern sich mit einer von Fleck fein nuanciert inszenierten Verzweiflung aneinander. Verwahrloste Kinder und engagierte Lehrer gibt es im Hollywood-Kino zuhauf, einer verlogener als der andere. Wie anders, wie echt und wahrhaftig mutet da dieses kleine, absolut unpathetische Drama an.

"Half Nelson"

mit Ryan Gosling, Shareeka Epps

Regie: Ryan Fleck

Hervorragend

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