Die Zweifel der "guten" Mörder

- München - Geheim, streng geheim waren die Dreharbeiten vergangenen Sommer in Malta, Budapest, New York und Paris. Selbst von den Schauspielern kannten nur wenige die ganze Geschichte, die am 23. Dezember in den USA (Welturaufführung), am 26. Januar dann in München (Deutschlandpremiere) auf die Leinwand kommt: "München", der opulente und angeblich 70 Millionen US-Dollar teure Film von Starregisseur Steven Spielberg, rollt den "Schwarzen September" 1972 zweieinhalb Stunden lang von einer ganz anderen Seite auf.

"Schwarzer September" - das war die Geiselnahme israelischer Sportler während der Olympischen Spiele in München am 5. September 1972. "Schwarzer September" - so nannte sich auch das palästinensische Kommando, das im Kugelhagel auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck endete. Wo das Drama blutig eskalierte, beginnt für Spielberg erst die Geschichte von "München". Er erzählt, halb Fiktion, halb Wahrheit, die Jagd eines israelischen Kommandos nach den drei überlebenden Attentätern und ihren Hintermännern.

Ein geheimer Rachefeldzug im Namen der Gerechtigkeit gegen die Mörder - das klingt nach einem Thriller. Doch Spielberg will mehr: Ein "Gebet des Friedens" sei der Film, sagte der Starregisseur, als er jetzt erstmals sein langes Schweigen gegenüber dem amerikanischen Time Magazine brach. Schon jetzt gibt es Debatten, ob Spielberg seinen Film nicht zu sehr "pro Israel" angelegt hat. Er selbst und sein Drehbuch-Autor, der Pulitzer-Preisträger Tony Kushner, bestreiten das. "Es ist kein Essay, es ist Kunst", sagte Kushner.

Den Kommandoführer Avner Kauffman (gespielt von Eric Bana) schildert Spielberg als einen mit dem Hinterfragen des eigenen Tuns erfüllten Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad. Das Filmplakat, mit dem der Streifen auch in Deutschland beworben werden wird, zeigt ihn auf dem Bett sitzend und auf dem Boden blickend in irgendeiner Absteige - ein Sinnbild des Zweifels. Und überhaupt sollen die komplizierten Beziehungen in der geheimen Truppe einen Gutteil des Films einnehmen.

Empfindsame "gute" Mörder - trifft es das? Spielberg hat gründlich recherchiert und auch mit dem realen Vorbild des israelischen Racheengels Kauffman gesprochen. Und da deutete doch einiges darauf hin, dass der Rächer im Namen einer guten Sache an sich selbst gescheitert ist, so Spielberg: "Ich glaube nicht, dass er je seinen Frieden finden wird."

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