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Til Schweiger und Nora Tschirner.

„Verliebte im Kino sind langweilig“

München - Til Schweigers neuer Film „Zweiohrküken“ startet in den Kinos. Es ist die Fortsetzung von „Keinohrhasen“. Sollte Schweiger nervös sein, lässt er es sich im Interview nicht anmerken.

Treffpunkt ist ein Hotel in der Münchner Innenstadt. Til Schweiger lässt sich entspannt aufs Sofa fallen, ordert Eiswürfel für seine Cola.

Mehr als 6,3 Millionen Menschen haben „Kein-ohrhasen“ im Kino gesehen. Wie groß ist jetzt vor dem Start der Fortsetzung der Druck, dieses Ergebnis toppen zu müssen?

Auf mir lastet kein Druck, denn als wir mit dem Drehbuch fertig waren, war ich überzeugt, dass es gut ist. Außerdem kenne ich die Leute, mit denen ich zusammenarbeite. Ich weiß, was die können und was ich kann. Und mit so einem guten Buch und so einem guten Team kann ich nur einen guten Film machen. Ich habe einen guten Film gemacht und bin mir sicher, dass der Film ein Erfolg wird.

Bei wie vielen Kino-Zuschauern fängt Erfolg an?

Wenn „Zweiohrküken“ zwei Millionen Zuschauer macht, dann ist das ein Erfolg.

Wann war Ihnen klar, dass es eine Fortsetzung von „Keinohrhasen“ geben muss?

Klar war das an dem Tag, an dem das Drehbuch von „Zweiohrküken“ so gut war, dass ich gesagt habe: Das verfilmen wir. Über eine Fortsetzung nachgedacht haben wir aber bereits während der Dreharbeiten von „Keinohrhasen“ – also lange bevor der Film diesen überragenden Erfolg hatte. Das war aber nur eine Idee – und ich war sehr skeptisch, ob wir die auch würden umsetzen können. Denn neben allem Talent und Können braucht man eben auch ein bisschen Glück. Man braucht den richtigen Lauf. Den hatten wir bei „Keinohrhasen“, und da ich ein kleiner Zweck-Pessimist bin, war ich sicher, dass uns das nicht nochmal gelingt. Aber wir haben es geschafft. Jetzt würde ich gerne auch einen dritten Teil machen.

Wer an erfolgreiche deutsche Komödien-Regisseure der vergangenen Jahre denkt, landet schnell bei Bully Herbig und Ihnen. Sind Sie ein Vorreiter?

In gewisser Weise schon, weil ich glaube, dass wir mit „Knockin’ on Heaven’s Door“ in Deutschland etwas Neues geschaffen haben. Es gab vor zwölf Jahren zwei deutsche Filme, die Neues wagten: mein Film und Katja von Garniers „Bandits“. Das waren zwei deutsche Filme, die ganz klar versucht haben, nach US-amerikanischem Vorbild Mainstream-Kino zu machen. Das hat im deutschen Kino etwas verändert.

„Keinohrhasen“ hat gerade auch viele weibliche Zuschauer besonders begeistert. Ist „Zweiohrküken“ nun eher der Film für Männer, weil der Humor brachialer geworden ist?

Der ist nicht brachialer geworden – wobei mir das schon viele gesagt haben. Für mich ist „Zweiohrküken“ witziger als „Keinohrhasen“, weil wir gleich einsteigen können und nicht erst die Figuren etablieren müssen. Bei den Testvorführungen kam er bei Männern wie Frauen gleich gut an, weil er zum Ende hin sehr romantisch wird.

Von romantischen Komödien gibt es im Kino aber eher selten einen zweiten Teil... Was willst du da auch erzählen?

Interessant bei romantischen Komödien ist doch, wie sich zwei Menschen kriegen, von denen der Zuschauer von Beginn an ahnt, dass sie füreinander bestimmt sind. Wir zeigen bei „Zweiohrküken“ den Alltag von Anna und Ludo: Da kannst du dann aber keine romantische Komödie mehr erzählen – weil das langweilig wäre. Manche, die das Drehbuch gelesen haben, meinten zu mir: „Die streiten sich ja nur. Anna und Ludo müssen doch mehr verliebt sein.“ Hallo?! Zwei Verliebte im Kino, die ständig in Harmonie leben, sind das Langweiligste, was es gibt! Aber jeder Zuschauer kann sich doch mit dem Alltagsstress der Figuren identifizieren. Oder mit der Frage: Warum macht mein Partner das jetzt so, wie er will, und nicht, wie ich will? Ich bin daher besonders stolz, dass es uns gelungen ist, dass der Film zum Schluss eben doch nochmal total romantisch wird.

Michael Schleicher

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