Trailer zum Kinodrama

„Zweite Chance“: Achtung, schwere Kost!

Die dänische Oscar-Gewinnerin Susanne Bier zeigt in „Zweite Chance“ die Qualen zweier Familien. Kinogänger sollten wissen, dass sie ein bedrückendes Drama erwartet.

Es gibt Filme, die tun einfach weh. Von der ersten Sekunde an. „Zweite Chance“ ist so ein Werk. Die dänische Oscar-Gewinnerin Susanne Bier und ihr Drehbuchautor Anders Thomas Jensen, selbst Regisseur („Adams Äpfel“) und ebenfalls Oscar-Preisträger, muten dem Publikum mit ihrem zwar klugen, aber oft schwer depressiven Schicksalsdrama so einiges zu. Hier ist einfach alles grässlich. Bier gewährt uns Einblick in zwei überaus reale Welten, beleuchtet diese mit skandinavischer Tristesse und einem klitzekleinen Hauch von Humor. Den muss man zwischen Szenen des Grauens und düster-ahnungsvollen Stimmungsbildern allerdings erst mühsam herausfiltern.

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Andreas (Nikolaj Coster-Waldau) und seine Frau Anna (Maria Bonnevie) leben mit ihrem Sohn Alexander, einem Säugling, im vermeintlichen Glück. Schicke Villa, gesicherte Finanzen, Vater, Mutter, Kind. Dass dies nicht das Paradies ist, deutet sich schon in den ersten Sekunden an. Das Meer liegt dunkel vor dem Haus. Die Frau weint. Der Mann glotzt ausdruckslos. Hinter diesen Bildern verbirgt sich ein gesellschaftliches Elend, das normalerweise keiner wahrnehmen will: die bürgerliche Depression. Diese kontrastiert Bier nun mit dem sogenannten Abschaum. In seinem Beruf als Polizist landet Andreas eines Tages in der Wohnung des stadtbekannten Brutalos und Junkies Tristan (Nikolaj Lie Kaas). Auch der hat mit seiner Freundin Sanne (May Andersen) ein Baby. Der kleine Sofus allerdings wird grob vernachlässigt, Sanne wird misshandelt. Als sein eigener Sohn plötzlich stirbt, kommt Andreas auf die verrückte Idee, die Kinderleiche dem drogenumnebelten Tristan unterzujubeln und sich Sofus als Ersatz zu schnappen.

Obwohl die deutsche Kinofassung den reißerischen Untertitel „Wie weit würdest du gehen?“ trägt, geht es in „Zweite Chance“ nicht um Moral und den Wert verschiedener Lebensformen und sozialer Schichten. Vielmehr deckt Susanne Bier die Parallelen beider Welten auf. Was Tristan und Sanne in ihrer Gammelbude an körperlichen Qualen erleben und erleiden, machen Andreas und Anna auf seelischer Ebene mit. Schon in den ersten hoffnungslosen Szenen, in Annas Verzweiflung und Andreas’ Lähmung, offenbart sich, wie allein die beiden, wie allein und verzweifelt vor allem Anna mit ihrem Säugling ist. Dass das Bürgerglück eine Illusion ist und sich dahinter oft Lieblosigkeit, Vernachlässigung und eine Demütigung der Frau verbergen, macht Bier hier mit drastischen, manchmal zum Glück auch mit satirischen Mitteln deutlich. Ohne diese würde man den Film nicht aushalten.

Von Katrin Hildebrand

„Zweite Chance“

mit Nikolaj Coster-Waldau

Regie: Susanne Bier

Laufzeit: 104 Minuten

Rubriklistenbild: © Prokino Filmverleih/dpa

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