Zwischen Leben und Tod

- Zeit ist relativ, behaupten wir, seit Einstein zu wissen. Sie ist dies, das beweist dieser Film, zumindest im Verhältnis zum Zuschauer, in der Betrachtungsweise der Regisseure. Auch "Ten Minutes Older" ist, ähnlich wie kürzlich "11'09'01" ein Episodenfilm namhafter, vor allem europäischer Regisseure.

<P>Doch wie anders, wie unschuldig die Perspektive dieses bereits vor drei Jahren konzipierten Werks: Eine philosophische Reflexion über das Wesen der Zeit, verspielt zumeist, experimentell gelegentlich, brisant nur in einem oder zwei der sieben Beiträge.<BR><BR>Eine junge Frau, der Kleidung nach muss sie aus den frühen 20er-Jahren stammen. Doch schnell begreifen wir, dass sie eigentlich eine Schauspielerin ist, in einer kurzen Drehpause auf einem Filmset. Sie will Ruhe, aber sie findet sie nicht, weil immer wieder etwas dazwischen kommt, weil Ruhe vielleicht das kostbarste Gut ist - zehn Minuten, das zeigt Jim Jarmusch mit der wunderbaren Chloe Sevigny, können arg lang werden.</P><P>Zehn Minuten können aber auch viel zu schnell vorbeigehen. Spike Lee zeigt in seinemm die Minuten, in denen Al Gore vor zwei Jahren glaubte, definitiv US-Präsident geworden zu sein. Und schildert nebenbei, wie dieser Wahlsieg "gebushwhacked" wurde, ein herrliches Wortspiel, aber unübersetzbar, weil das Wort nicht nur aus dem 19.Jahrhundert stammt (Bushwhacker hießen die Partisanen der Südstaatler im US-Bürgerkrieg), sondern auch mit dem Namen dessen spielt, der hier - folgt man Lees These - Gore um die Präsidentschaft betrogen hat. </P><P>Spannend gerät auch Wim Wenders' Beitrag. Seine Reflexion über Leben und Tod ist in aller Kürze der beste Film des Deutschen seit fast zehn Jahren: Ein Autofahrer hat eine Panne, ihm ist schlecht, und er sinniert in psychedelischen Bildern zwischen Leben und Tod über den Sinn des Ganzen . . .<BR><BR>"Ten Minutes Older"<BR>mit Chloe Sevigny, Charles Esten<BR>Regie: u. a. Jim Jarmusch, Wim Wenders, Werner Herzog<BR>Sehenswert </P><P> </P>

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