Zwischen Säge und Leiche

- In einschlägigen Kreisen wird dieser Film bereits kultisch verehrt. Und tatsächlich erfüllt er seinen Zweck hervorragend: "Saw" macht Angst, und das sehr geschickt. Der junge Australier James Wan eifert mit seinem Regie-Debüt Vorbildern wie "Das Schweigen der Lämmer" und "Sieben" nach. Atmosphärisch dicht und mit morbider Lust am Schrecken erzählt "Saw" eine einfache, aber hochwirksame Geschichte.

<P>In einem heruntergekommenem Waschraum wachen zwei Männer in Ketten auf. In der Mitte des Raums liegen eine Leiche sowie einige Utensilien, die eine Art Rätsel darstellen, das es zu lösen gilt. Eines der Utensilien ist jene Säge, die dem Film den Titel gibt und die eine furchtbare Rolle spielen wird. Schnell stellt sich heraus, dass die Männer Opfer eines Psychopathen geworden sind, der ihnen wenige Stunden Zeit gibt, um sich zu befreien, wobei der anonyme Killer allerdings klar stellt, dass nur einer der Männer den Raum lebend verlassen kann - und zwar derjenige, der etwas Grauenhaftes tut.<BR><BR>Das Ringen um einen gemeinsamen Ausweg aus dieser aberwitzigen Lage, das wachsende Misstrauen und das erbarmungslose Finale zeigt Regisseur James Wan mit kühler Distanz, was alles noch bedrückender macht. In kurzen Einschüben wird derweilen erklärt, dass es sich nur um einen Fall von vielen handelt. Ein Wahnsinniger nimmt immer wieder Menschen gefangen und stellt ihnen zum Teil perverse Aufgaben. Wer sie bewältigt, darf weiterleben. Meistens scheitern die Opfer jedoch, denn es wird mehr verlangt, als die meisten bereit oder imstande sind zu tun.<BR><BR>Um den Respekt vor dem Leben geht es dem Täter dabei nach eigenem Bekunden, und das ist ein zynischer Schachzug, weil Wan diese Haltung nicht eindeutig verurteilt. Eine junge Frau, die den mörderischen Test bestanden hat, erzählt der Polizei hinterher, der unbekannte Irre hätte ihr Leben gerettet. Sie nehme keine Drogen mehr und genieße jeden Augenblick ihres Daseins. Ein bewusst provokativer Ansatz, der ambivalente Gefühle erzeugen soll.<BR>Der ethische Diskurs ist in "Saw" aber eher ein Stilmittel unter vielen und kein ernsthaftes Anliegen. Ebenso verfehlt der Auftritt von Hollywood-Veteran Danny Glover als besessener Polizist auf der Jagd nach dem Mörder seine Wirkung und wirkt wie eine unfreiwillige Karikatur. Allerdings sind das die einzigen Schwachpunkte in einem ansonsten bemerkenswerten Erstling. </P><P>(In München: Mathäser, Museum i.O.)<BR><BR>"Saw"<BR>mit Leigh Whannell, Cary Elwes<BR>Regie: James Wan<BR>Sehenswert </P>

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