1000 Euro verschwunden

- Wandverputz im Quadrat aufgestemmt ­- zwei 500-Euro-Scheine feinsäuberlich hineingesetzt ­ zugemörtelt ­ ordentlich geweißelt. Timm Ulrichs hat für immer sein "Verborgenes Objekt III" ins Haus der Kunst eingelassen. Von dieser Aktion erzählen in der "Großen Kunstausstellung" nurmehr vier Fotografien. Daneben hat der "Stargast", dem man als weitere bedeutende Namen Rudolf Wachter und Franz Bernhard beigesellt hat, ein rotes Häuschen aufgestellt ­- ununterbrochen bedroht von einer schwingenden Eisenkugel.

Traditionsgemäß veranstalten die Münchner Künstlergemeinschaften Neue Gruppe, Münchener Secession und Neue Münchner Künstlergenossenschaft alljährlich diese Bilanzierung. Früher pflegten die drei vor allem ihre Mitgliederinteressen, was zu Sammelsurium-Präsentationen führte. Jüngere Kollegen hatten ohnehin kaum eine Chance. Das hat sich, nachdem die Gruppen viel und heftig gescholten wurden, in den vergangenen Jahren massiv geändert. Auch heuer ­ die Neue Gruppe hat kuratiert ­ ist man angenehm überrascht, obwohl die Exposition auseinandergerissen ist durch die Unterbringung in Nord- und Südgalerie. Naturgemäß finden

Käufer gesucht

sich allerhand unterschiedliche Positionen, aber vollgestopfte Säle gibt es nicht mehr. Und die Vielfalt wird die potenziellen Kunden freuen. Die Preise bewegen sich zwischen 50 und 30 000 Euro.

Obwohl derzeit die figürliche Malerei im Trend-Aufwind ist, wird sie in der "Großen" nicht exzessiv zelebriert. Wohl zu Recht. Die relativ vielen schlechten realistischen Bilder beweisen, dass es hier Lücken gibt. Klar, Endy Hupperichs Gemälde mit der lasziven Dame inmitten von Schießscheiben-Kreisen ist prominent platziert, aber insgesamt gesehen machen die konstruktivistischen Werke den besseren qualitativen Eindruck. Schön, wenn dabei auch Selbstironie gelingt. F. Jörg Haberland arbeitet klassisch mit dem einfarbigen Quadrat, je Rot, Schwarz und in der Mitte Weißgelb. Dieses besteht aus Buchstabensuppennudeln und konterkariert die Strenge genauso wie das "nö" in den Glasscheiben der Bilder. Überhaupt fällt auf, dass es viele Skurrilitäten zu entdecken gibt. Insbesondere auch solche, die das eigene Medium reflektieren.

Andreas Kloker und Peter Dietz zeigen sich in Videos beim Zeichnen. Bei dem einen stehen Körpergeste und Gerätschaften, bei dem anderen Hand und Gesicht im Mittelpunkt. Peter Möller bleibt mit seiner Riesen-Zeichnung exakt und realistisch. Dennoch kippt sein Dorf um in ein verwirrendes Raum-Geflecht. Sebastian Wickeroth demoliert Bildflächen, als wären‘s Abrisswände. Barbara Bays und Vera Herzogenrath gehen noch radikaler vor. Die nuancenreiche Bläue eines Gemäldes wird zur traumschönen Landschaft, über die eine aufregende Kamerafahrt dahinjagt. Es sind solche, oft komische Perspektivewechsel, die alte Medien der bildenden Kunst taufrisch machen. Das funktioniert genauso bei gesellschaftspolitischen Stoffen. Wenn zum Beispiel Nana Kwon 108 Paar Strohsandalen zu einer Installation an die Wand nagelt, dann wird Armut schön und kitschfrei kommentiert.

Bis 11.3., 10-20 Uhr, Tel. 089/ 22 26 55. Der Hausderkunstpreis geht an Sebastian Wickeroth, Peter Möller und Timm Ulrichs.

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